Ausstellungen: Berlin , 2018

Judith Hopf

Stepping Stairs
KW Institute for Contemporary Art 10.02. – 15.04.2018
von Michael Nungesser

Die Einzelausstellung der Multimediakünstlerin Judith Hopf (geb. 1969 in Karlsruhe, lebt in Berlin) lässt sich als eine Art Parcours lesen. An dessen Beginn steht ein menschliches Armpaar mit gespreizten Händen (Pair of Arms, 2016), das über unseren Köpfen aus der Wand herausragt. Fast flehentlich-klagend wirken die fragmentierten Körperteile, ein wenig unheimlich, aber auch einladend, zugleich hilflos – wie amputiert. Die in rotem Ton gefertigte expressiv-figürliche Arbeit mit rauer unregelmäßiger Oberfläche, ästhetisch-symbolisch an Alberto Giacometti erinnernd, unterscheidet sich von den eher glatten, zumindest wohlgeformten, bisweilen monumentalen, oft technisch-konstruierten folgenden Werken. Das Armpaar verweist damit in eine Welt, die, geordnet und genormt, uns immer mehr ab-handen zu kommen scheint und sich uns unbewusst einzuschreiben versucht.

Mehrere von der Decke hängende LED-Lichterketten (Email Lines, 2016) verweisen auf den globalen Informationsfluss, die über Grenzen jeglicher Art hinweg vernetzende totale Kommunikationsstruktur. Ausdruck dafür ist auch eine Reihe grau lackierter Stahlplastiken (Laptop Men, 2018), die den folgenden Raum bevölkert, wie abgestellt zwischen den kahlen weißen Wänden. Es sind Figuren aus geknickten Platten, die humanoide Züge assoziieren, aber Körper und Maschine lassen sich in ihnen nicht mehr unterscheiden. Sie stehen, sitzen oder liegen, das den Anschluss ins Netz garantierende Gerät an sich haltend, mit ihm verschmolzen wie einer Prothese. Das Verhältnis der Figuren zur Umgebung zeichnet sich durch Gleichgültigkeit aus, ihre Lässigkeit ist Attitüde, sie sind wie zu Möbeln erstarrt.

Die große Halle der Ausstellung enthält wenige den Raum gliedernde,…


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