Ausstellungen: Wien · von Rainer Metzger · S. 421
Ausstellungen: Wien , 1995

Rainer Metzger

Judy Fox

Christine König Galerie, Wien, 30.11.1994 – 28.1.1995

Sie kommem mehr und mehr in Mode, die Terrakotta- und Steingußfiguren unbekleideter Kinder, die die 37jährige Amerikanerin Judy Fox in einer Manier gestaltet, für die der Begriff „Altmeisterlichkeit“ geradezu eine Untertreibung darstellt. Judy Fox ist Kunsthistorikerin und vor allem gelernte Restauratorin, und in der Kombination dieser beiden Ausbildungen kommt ein künstlerisches Verfahren zustande, wie es von der Wiederentdeckung des Anthropomorphen im 14. Jahrhundert gerade in die Gegenwart führt. Alles ist selbstgemacht in dieser handwerklich zugespitzten Bildwelt, penibel modelliert und anschließend mit dem Pinsel gefaßt.

Dennoch kommen Judy Fox‘ Porträts von Kindern dieser Welt mehr und mehr in Mode. Nachdem „Suture“, die Ausstellung des Salzburger Kunstvereins, sie in Östereich vorgestellt hatte, fügten sich sechs dieser Gestalten zwischen Vertrautheit und Versehrtheit in der Galerie Christine König zur ersten Einzelpräsentation im deutschsprachigen Raum. In aller Unschuld knieten, lagen, tänzelten sie auf dem Galerienboden, ohne Sockel, lebensnah, als wären sie ein Stück Hyperrealität. Daß sie in Mode gekommen sind, beruht zunächst auf einem Mißverständnis. Denn sie sind genuine Kunst der achtziger Jahre. Doch wo Judy Fox eine das Ideale streifende Nacktheit im Auge hat, sieht die Gegenwart der Neunziger, sensibilisiert durch Body & Gender – Diskussionen, die Schändung, wo Judy Fox den Putto meint, sieht das Heute die Differenz der Ethnien und Rassen. Auch Engel haben ein Geschlecht: Der Gebrauch der Lüste hat sich über den Klassizismus der Judy Fox gelegt.

Dabei willfahren diese Plastiken der Zaubernorm der Postmoderne auf penible Weise. Sie entsprechen nahezu manifesthaft dem „Dual…

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