Ausstellungen: Köln · von Jürgen Kisters · S. 386
Ausstellungen: Köln , 1998

Jürgen Kisters

Karl Bohrmann

Galerie Rivet, 30.10. – 24.12.1998

Die Poesie des Lebens ist überall. Man muß sie nur sehen, während die Bäume sich im Wind bewegen, eine rote Gestalt durch die Gegend huscht, die Schornsteine einer Fabrik zarten Rauch in den Himmel blasen, eine Leiter an der Wand lehnt und der Tisch mit der Lampe darüber für einen Augenblick zum Sinnbild der Ruhe wird. Karl Bohrmann (Jahrgang 1928) läßt uns teilhaben an solchen Momenten, in denen der Hauch des Poetischen ihn berührt und eine stille Spur über das Papier ziehen läßt. Anläßlich des siebzigsten Geburtstages des Künstlers, der mittlerweile in Köln lebt, präsentiert die Galerie Rivet einen Überblick seiner Zeichnungen aus den letzten zwei Jahren.

„In meinen Zeichnungen würde ich gerne das Anonyme beiläufiger Skizzen von irgendwem erreichen. Keine Handschrift, nichts Temperamentvolles, Geistreiches oder sonstwie Auffälliges. Papierfetzen, darauf eine Hand Notizen hinterlassen hat, was sie festhalten, nicht vergessen oder sich vornehmen wollte,“ schreibt Bohrmann in seinen Notizen, die vor Jahren als Buch veröffentlicht wurden. Auch wenn er da noch zweifelt, scheint er diesem Ideal längst sehr nahe zu kommen – bis auf die Tatsache, daß seine Handschrift bei aller Beiläufigkeit unverwechselbar ist. Er ist ein Meister des zarten Striches, ähnlich Morandi, dem er einst eine umfangreiche Motivserie als Hommage widmete. „Wie Morandi seine Gefäße, möchte ich Figuren zeichnen,“ sagt Bohrmann und tut es. „Rote Figuren“ sind eines seiner wiederkehrenden Motive. Huschende, gesichtslose Gestalten am Strand oder zwischen angedeuteten Gebäuden, aus der Ferne betrachtet, indem sie allmählich verschwinden oder langsam sich nähern. Eine Frau…

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