Ausstellungen: Krefeld · S. 338
Ausstellungen: Krefeld , 1987

Renate Puvogel

Katharina Fritsch – Elefant

Kaiser- Wilhelm-Museum, Krefeld, 8.2.-26.7.1987

Die Abfolge der überaus qualitätvollen, avantgardistischen Kunstsammlung Lauffs im Obergeschoß des Kaiser-Wilhelm-Museums ist mit einem Mal abrupt unterbrochen: Da steht mitten im leeren, weißgetünchten Raum auf hohem, hellgrauem Sockel ein lebensgroßer, grüner Elefant. Ein Ausweichen ist nicht möglich vor diesem stolzen, edlen, in distanzierende Entfernung gehobenen »Denkmal«. Doch um als idealisierendes Repräsentationsstandbild zu gelten, ist seine gelassene Pose, seine Dimension allzu naturgetreu; das Tier ist nahe und wirkt lebendig, es gleicht bis in jede Hautfalte hinein seinen Vettern im Naturkundemuseum. Man glaubt, den Tiergeruch spüren, die rauhe, faltige Haut fühlen zu können – aber sie ist mattgrün.

Die Irritation ist perfekt; das Bekannte erhält die Aura des Außerordentlichen, Vertrautes wird fremdartig, das Nahe ist entrückt und doch unmittelbar präsent.

Katharina Fritsches bisherige Inszenierungen belegen, daß die Monumentalität des Objektes nicht erforderlich ist, um ein Erstaunen zu provozieren. Mit frappierender Selbstverständlichkeit führt sie alltägliche Funktions- und Dekorationsgegenstände, auch Tiere und Personen einzeln, herausgelöst aus dem Zusammenhang ihrer Bestimmung, vor. Ort und Ordnung sind kaum spürbar mitentscheidend über die Wirkung der präzise gewählten Dinge. Sei es wie hier das Kunstmuseum als Ort für ein zoologisches Ausstellungsstück, sei es ein Spaziergänger mit Hund als Postkarte einer lebenden Skulptur in Sonsbeek 1986, ein Rauschgoldengel mit Vase in dezenter Wohnzimmeratmosphäre oder delikate, teilweise persönliche Gegenstände kostbar in offener Glasvitrine präsentiert. Unsere Vorstellungen von und die Erinnerungen an gewöhnliche Dinge werden beispielhaft geschärft für das Besondere und Phänomenale in ihrer Erscheinung, denn Fritsch stellt die Objekte nicht als Ready mades selbst…

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