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Ausstellungen: Hamburg · von Johannes Lothar Schröder · S. 301 - 301
Ausstellungen: Hamburg , 2004

JOHANNES LOTHAR SCHRÖDER
Kengo Nakamura

Galerie CAI Contemporary Art International,
Hamburg, 10.10. – 30.11.2003

Nachmieter für großstädtische Einraum-Appartments in japanischen Ballungsgebieten werden mit Fotokopien der Grundrisse gesucht. Für Kengo Nakamura bilden sie die grafische Basis der Gemäldeserie „Compostition Tokyo“. Die auf dem Plan aufgeteilten Räume mit Kabinen für Dusche, Toilette oder Schrank füllt Nakamura mit den kräftigen Primärfarben des Nihonga, einer traditionellen japanischen Malerei. Kunstgeschichtlich westlich konditionierte Rezipienten reagieren mit der prompten Assoziation „Mondrian“ auf die in ihrer Größe leicht variierenden, dicht nebeneinander hängenden Kleinformate. Versuchte der holländische Maler die Großstadt abstrakt zu fassen, sondert diese heute selbst kunsthistorische Versatzstücke ab, die Nakamura aufgreift, um in einen spielerischen Dialog mit der Kunst und ihrem Echo aus dem Urbanen zu treten.

Für die Werkgruppe „Speech Ballons“ verwendet er leere Sprechblasen aus Mangas, die, zu Mustern verdichtet, die Umrisse von Figuren aus Comics und von bekannten Gestalten auf Kunstwerken füllen, darunter die Venus von Botticelli. Wenn Nakamura diese Muster schließlich auf T-Shirts und Tücher drucken lässt, um sie als Editionen in Umlauf zu bringen, nähert er die aus dem Trivialen bezogenen Motive denen der Museumskunst so weit an, dass beide als Produkte des Pops ununterscheidbar vermischt sind. Als Pop haben sie sich allerdings schon zuvor in Größe und Materialität so weit gewandelt, dass ihnen über die Oberflächen von allen möglichen Produkten und Kleidungsstücken der Einzug in die Miniaturappartements gelungen ist. Ob diese Produkte wie das Schicksal der Charaktere der Mangas, die ihre Fans immerhin zum Weinen bringen, Identifikationsmöglichkeiten bieten, ist so offen wie die…


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von Johannes Lothar Schröder

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