Magazin: Museen & Institutionen , 1988

Michael Hübl

Klare Sachen am Rande des Idylls

Der Frac Bourgogne

»Frac Bourgogne« – das klingt nach schwerem Rotwein und schwarzer Garderobe. Von solch gesetzter Gediegenheit ist der Fonds Régional d’Art Contemporain (abgekürzt: Frac) weit entfernt. Eine kleine ehemalige Fabrik (Jahrhundertwende) jenseits des spätmittelalterlichen, barock durchwirkten Altstadt-Idylls von Dijon, ist das Domizil dieses Frac. Eine Hinterhofadresse ohne die Grandeur abgetakelter Industrie-Areale, dafür eine Sammlung von bemerkenswerter und besichtigungswürdiger Stringenz. Zur Erinnerung: Die Fracs wurden 1982 unter dem damaligen Kulturminister Jacques Lang gegründet, um dem augenfälligen Informationsgefälle zwischen Paris und den Provinzen entgegenzuwirken. Einige dieser ehemals 22 Institutionen sind inzwischen wieder eingegangen. Das hing wohl bis zu einem gewissen Grad mit dem Regierungswechsel zusammen, hatte aber auch strukturelle Gründe. Manche der neu installierten »Förder-Organisationen« für zeitgenössische Kunst kamen schon zu Längs Zeiten nicht so recht in die Gänge.

Daß der Frac Bourgogne, 1983 ins Leben gerufen, heute gut da steht, hat mehrere Gründe. Einer liegt sicher im Charakter der Sammlung, die man im Laufe eines halben Jahrzehnts aufgebaut hat. Diese Sammlung, die den Fundus für verschiedene Wechselausstellungen bildet, zeigt eine klare, aber nicht sture Linie zwischen den Margen Konstruktivismus und Konzept-Kunst. Im Depot des Frac ist Platz für Arbeiten von John Armleder (von ihm gibt es eine puzzleartige Komposition, die an vergrößerten Terrazzoboden erinnert), Christian Boltanski (der Frac besitzt seine photographisch vergrößerten Holzbausteine, Titel: »Composition architecturale«) oder François Perrodin, dessen grau-monochromen Rechtecke wie Tafelbilder »eingesetzt« werden und zugleich dazu dienen, Raum zu definieren.

Daß auch etliche Deutsche zum Bestand des Frac Bourgogne gehören, hat weniger mit…

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