Ausstellungen: Wien , 1994

Kommentar zu Europa 1994

Museum des 20. Jahrhunderts, Wien, 20.1. – 27.2.1994

von Christian Kravagna

Prolog: Gruppenausstellungen sind üblicherweise für den Kritiker mit einem Problem der Schreibweise verbunden. Sage ich Künstler und Künstlerinnen, Künstler/innen oder KünstlerInnen? Wir können uns diesmal solche Spitzfindigkeiten ersparen, wenn wir gleich eingangs die Teilnahme von Rebecca Horn in dem 24köpfigen Teilnehmerfeld dieser Ausstellung herausstreichen. Damit wären die technischen Probleme erledigt, Frauen haben zu Europa nichts zu sagen. Dies erleichtert die Sache ungemein, und wir können uns der verdoppelten Fußballmannschaft zuwenden, die den Europacup unter sich ausmacht. Nun aber Ernst beiseite, es geht um Wichtigeres. Es geht, wie der Direktor des Museums moderner Kunst Lóránd Hegyi darlegt, um die Frage, „was Europa heute noch bedeutet“.1

Mit „Kommentar zu Europa 1994“ hat Lóránd Hegyi etwas auf den Punkt gebracht, das er seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren konsequent praktiziert: Ausstellungspolitik als Europapolitik. Vor dem Hintergrund der gerade laufenden entscheidenden Verhandlungen zum österreichischen EU-Beitritt und dem massiven Werbefeldzug der Bundesregierung zur Korrektur der im Hinblick auf die bevorstehende Volksabstimmung noch sehr „unaufgeklärten“ skeptischen Haltung der Bevölkerung inszeniert das Moderne Museum als Begleitmaßnahme eine europablaue Kulturhülse. Hülse insofern, als für die Wirksamkeit des Unterfangens allein die Verpackung ausschlaggebend ist, also europablaue Plakate und Transparente, ein europablauer Katalog. Was in der Ausstellung selbst passiert, ist relativ unbedeutend. Kunstwerke lassen sich für alles und jedes vereinnahmen, und nur wenn Europa draufsteht, ist auch Europa drin. (Ähnliches gilt für Katalogtexte, wie jenem Achille Bonito Olivas, der jetzt schon der mindestens dritten Kulturhülse, u.a. „Metropolis“, symbolisches Kapital…

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