Ausstellungen: Berlin , 1989

Thomas Wulffen

Komposition und Inszenierung

Galerie Wewerka

Wenn die Ausstellung einlösen würde, was der Titel verspricht, wäre diese Ausstellung in der Galerie Wewerka bemerkenswert. Davon kann leider nicht gesprochen werden, auch wenn sie für die Berliner Kunstlandschaft bemerkenswert bleibt, die sich zwar demnächst unter einer rotgrünen Regierungskoalition zeigen wird, aber der ein Qualifizierungssprung in Richtung zeitgenössische Kunst, jene Kunst, die aktuell produziert wird und gleichzeitig einen wirkungsvollen Beitrag zum heutigen Diskurs liefert, wohl doch nicht zuzutrauen ist. Dafür sind die Bastionen, die den Begriff ‚zeitgenössische Kunst‘ anders verstehen oder garnicht hören wollen, doch zu befestigt. Ein Ausstellungsprojekt mit Bertrand Lavier, das an der Nationalgalerie angedacht wurde, ist, so scheint es, wieder in der Schublade verschwunden. Offensichtlich ist kein Bedarf an zeitgenössischer Kunst in den diversen Institutionen vorhanden.

Umso mehr sind die Galerien in Berlin aufgefordert, in die Bresche zu springen, obwohl nur sehr wenige die Chance wahrnehmen. Mit der Ausstellung ‚Komposition-Inszenierung‘ versucht Michael Wewerka an den Standard dieser Galerien anzuschliessen. Das wäre ihm schon vor Jahren gelungen, hätte er die Zeichen der Zeit richtig erkannt. Im Jahre 1986 zeigte er eine Inszenierung seiner Galerieräume, vorgenommen von Raffael Rheinsberg, die in der Ausstattung der Galerie durch eine Möbelfirma bestand: Wohnzimmer, Schlafzimmer und Aufenthaltszimmer. Der Titel der Ausstellung ‚Keine Kunst‘ hat den Galeristen offensichtlich so verunsichert, daß er vergessen hat, die Ausstellung fotografisch dokumentieren zu lassen. Diesmal hat er dazu gelernt, das Spiegelkabinett des Guillaume Bijl lag schon vor der Ausstellung als Foto vor, weil die Galerie mit der gleichen Arbeit auch auf der letztjährigen ART…

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