Ausstellungen: Berlin , 1986

1945-1985 Kunst in der Bundesrepublik Deutschland

Kritik als Besserwisserei

Gedanken zu einer Deutschen Ausstellung im Besonderren und Deutscher Kritik im Allgemeinen

von Hans-Jürgen Müller

Ich fuhr ohne große Erwartungen nach Berlin. Anlaß der Reise war die von Dieter Honisch inszenierte Ausstellung »1945-1985. Kunst in der Bundesrepublik Deutschland« in der Nationalgalerie, Anlaß für meine Skepsis das Urteil fast der gesamten überregionalen Presse.

Laszlo Glozer schrieb in der »Süddeutschen« unter anderem: »Der Mut einer repräsentativen Zusammenfassung von vierzig Jahren Kunst, die auf dem Boden der Bundesrepublik entstanden ist, ohne daß dabei die Verästelungen belegt, die Gesichtspunkte der Auswahl dargelegt werden, macht einen bange, denn es ist ein Mut, der mit Machtgehabe ein unkritisches Publikum und das allgemeine Desinteresse für Kunst in Rechnung stellt und querbeet die große Toleranz ausübt: der Mut zur Mittelmäßigkeit«. An anderer Stelle ist für ihn »das unangetastete Haus, die Architektur von Mies van der Rohe, der eindeutige, wenn auch unfreiwillige Sieger über die Ausstellung«. Man wirft Honisch »seine Vorliebe für die Abstrakten« vor und Glozer applaudiert nicht ohne Ironie »seiner Meisterschaft in der Hängung«. Auch Petra Kipphoff befand in »Die Zeit«, daß das, was hier zu sehen ist, »eine Mustermesse deutscher Kunst mit vielen kleinen Karos, wenig Konturen und seltenen Glanzlichtern« sei. »Also, was denn nun«, fragt sie zum Schluß ihrer insgesamt negativen Ausführungen bissig: »Nationalgalerie oder Kölner Kunstmarkt?«

Auch Eduard Beaucamp, dessen Meinung in der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« noch immer so etwas wie das Nonplusultra deutscher Kunstkritik gilt, erinnerte sich »dankbar der ungleich reicheren, internationalen ‚Westkunst‘-Ausstellung in Köln und ihrer kunstgeschichtlichen Inszenierung.«

Solchermaßen eingestimmt,…

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