Magazin: Symposien & Kongresse · von Hermann Pfütze · S. 466
Magazin: Symposien & Kongresse , 2000

HERMANN PFÜTZE

Kritik der Künste und
Kunst der Kritik

Colloquium im Literaturhaus Berlin, am 26. Mai 2000

Das Literaturhaus Berlin und die Deutsche Gesellschaft für Ästhetik e.V. hatten Kritikerinnen und Kritiker der Bildenden Künste, der Architektur, der Literatur, des Theaters, der Musik und des Films eingeladen zu einem Disput über Praxis und Theorie ihrer Arbeit, über Erfahrung und Begriff der Kritik und über das Verhältnis der Kritik zur Kunst. Was ist die Idee der Kritik, was bestimmt ihren Geist und ihre Güte?

Einig waren sich alle, dass Kunstkritik erstens Hör-, Seh- und Lesegewohnheiten nicht bedienen, sondern erweitern müsse. Das Publikum solle mittels Kritik etwas verstehen, nicht nur sich verstanden fühlen. Zweitens müsse Kritik, mit dem Wort Karl Krauss‘, nicht nur die Kunst, sondern auch die Welt ernst nehmen. Die Frage sei: „Welche Sprachen sprechen heute die Künste“? (Lothar Müller) Das ist das Gegenteil der feuilletonistischen Mode, die Kunst in Allerweltsjargon zu übersetzen. Darum sei drittens Kunstkritik nicht dem Geschmack, sondern dem gebildeten Urteil verpflichtet, müsse Widerstand leisten gegen ästhetische und historische Amnesie und die Ansprüche an Kulturpolitik und Medienkonzerne steigern, nicht fallen lassen. Die Stärkung dieser minoritären und exzentrischen Position gebe viertens der schwachen Kraft der Kunstkritik ihre „ohnmächtige Macht“(Amine Haase).

Welche Sprachen sprechen heute die Künste?

Diese vierfache Einigkeit warf ernste Probleme und Fragen auf. Wie z.B. könne in der Musikkritik, fragte Eleonore Büning, das Missvergnügen am nicht Gelungenen einem Publikum, das die Musik liebt, aber nicht versteht, so beschrieben und erklärt werden, dass die Kritik die Liebe stärke und nicht schwäche? Diese Schwierigkeit habe…

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