Magazin: Bücher , 2004

Kritische Bedingungen für Kritik?

Die neueste oder letzte Publikation des Projekts „Zeitgenössische Kunst und Kritik“ in der Kokerei Zollverein, Essen

Julie Ault und Martin Beck sind Vertreter einer konzeptuellen politischen Kunst und haben in ihren Arbeiten immer wieder Fragen nach dem kontextuellen Rahmen von Kunst, Politik und Ökonomie miteinander verwoben. Reflexionen über die Erzählbarkeit von Geschichte, über die Methodik von In- und Exklusion von Fakten in offizieller bzw. herrschender Geschichtsdarstellung und die Probleme bezüglich Darstellbarkeit und Manipulierbarkeit von Geschichte durchziehen das Werk beider Künstler. Sie gehören zu dem modernen Künstlertypus, in dessen Person mehrere Professionen vereint sind. Diese hybride Form im konkreten Fall umfasst die Positionen von KünstlerIn, KuratorIn sowie TheoretikerIn und AusstellungsdesignerIn. In der vorliegenden ästhetisch ungemein ansprechenden Publikation sind wechselnder Abfolge Texte beider Künstler/Theoretiker/Kuratoren/Ausstellungsdesigner aus acht Jahren (1995 – 2003) enthalten. Zur Vereinfachung wird im Folgenden „nur“ die Bezeichnung KünstlerIn verwendet, wobei die anderen Tätigkeiten immer mit eingeschlossen sind.

Die vorliegenden Aufsätze, Rezensionen und Artikel bieten Einblick in die Denkweisen und Arbeitsmethoden beider Künstler, deren künstlerische Praxis nicht auf ein Medium beschränkt ist, sondern die mediale Frage denen nach Inhalt, Kontext und Ort unterordnet. Die Kunst der beiden ist eher wissenschaftlich-kognitiv orientiert. Die Arbeiten berühren nicht unbedingt jeden sinnlich, dafür sind sie zu cool, intellektuell und kontrolliert. Dennoch enthält die Methode aufgrund ihres herrschaftskritischen Ansatzes immer eine subversive Note. Wer die Arbeiten beider Künstler kennt und die spannenden, sehr kenntnisreichen Aufsätze in dem vorliegenden Band liest, mag sich fragen, ob mit den komplexen Installationen, den Arrangements grafisch gestalteter Archive und Zeitleisten…

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von Matthias Reichelt

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