Titel: post-futuristisch. Kunst in dystopischen Zeiten · von Ann-Katrin Günzel · S. 74 - 111
Titel: post-futuristisch. Kunst in dystopischen Zeiten ,

Kunst im Anthropozän

post-futuristisch

von Ann-Katrin Günzel

Wahrhaft dystopische Zukunftsentwürfe, verlorene Utopien und die Auseinandersetzung mit Katastrophenszenarien, dem Chaos und Vernichtung werden in der künstlerischen Beschäftigung mit unserem Lebensraum deutlich. Das ökologische Problem manifestiert sich dabei ästhetisch vor allem im Verlust, im Fehlen von Bildern und in der Zerstörung vormals vorhandener Ideen, von Weltbildern und Beschaffenheiten von Natur, in der Visualisierung der Belastung und Vernichtung unseres Ökosystems, und der Darstellung der zerrütteten Beziehung zwischen Mensch und Natur.

Nachfolgend wird eine Auswahl der verschiedenen Aspekte post-futuristischer Kunst vorgestellt, wobei die Werke sich nicht immer in eindeutigen Bereichen von einander trennen lassen, denn die Kategorien sind durchlässig und überschneiden sich. Erschöpfung und dystopische Weltsichten gehen als Resultate der aus der Geschwindigkeit und dem permanenten Wachstum entstehenden Simultaneität hervor, – die wiederum nicht zuletzt aus der Entwicklung der Kommunikationstechnologien erfolgt und sich in der Sprache spiegelt – sowie aus der gleichzeitig stattfindenden Forschung für die permanente Optimierung der Körper.

Michael Sailstorfer
Jonathan Schipper
Jesse Darling
NOORDKAAP JODI
Abner Preis
Matthias Surges
FAMED
Gavin Turk
Patricia Piccinini
Stelarc
Oscar Murillo
Sebastian Schmieg
Mischa Kuball
Sven Johne
Elodie Pong
Monica Bonvicini
Kris Martin
Douglas Coupland
Annette Ruenzler
Franca Scholz
Dan Perjovschi
Julian Charrière
Dwight Eschliman
Superflex
The Green Eyl
Dane Mitchell
Rheim Alkadhi

1. Geschwindigkeit: Begeisterung, Beschleunigung, Erschöpfung

Die Installation des Bildhauers und Installationskünstlers Michael Sailstorfer (* 1979) zeigt den „rasenden Stillstand“ nachdrücklich: der rotierende Reifen kommt nicht von der Stelle, er reibt nur unablässig Gummipartikel ab. Das lineare Fortschrittsdenken befindet sich im Leerlauf, und dass wir pro Kopf fast 1 kg Reifenabrieb im Jahr produzieren, zur Zeit der Hauptverursacher von Mikroplastik übrigens, diese Tatsache türmt sich hier zu einer deutlich nachvollziehbaren Erkenntnis.

Auch der VW-Golf des amerikanischen Installationskünstlers…

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