Essay: Architektur · von Michael Weisser · S. 168
Essay: Architektur , 1976

Michael Weisser

Kunst im Stadtbild

2. Teil

In der in Band 16 abgedruckten 1. Folge befaßte sich der Autor mit der Geschichte einer Kunst im öffentlichen Raum und den entsprechenden staatlichen und städtischen Verordnungen; sehr ausführlich z.B. mit der Verbindung von Kunst und Architektur im Nationalsozialismus und der Entwicklungsgeschichte der Kunst als Ursache für die ‚Kunst am Bau‘, mit der Reintegration von freier Kunst in die determinierte Architektur nach 45 sowie mit der konterrevolutionären Kulturtheorie der außerparlamentarischen Opposition in den 1960er Jahren.

Der städtische Raum als künstlerisches Aktionsfeld

Die Entdeckung und Nutzung des öffentlichen städtischen Raumes für künstlerische Initiativen war – wenn auch unter fraglichen Intentionen – bereits über die statischen ‚Kunst-am-Bau‘-Objekte und -Plastiken eingeleitet.

Zu den wichtigsten Vorläufern, die den Außenraum der gebauten Lebenswelt als Aktionsort einführten, zählen Wolf Vostells Plakat-Abrisse, mit denen er bereits 1954 in Paris die ‚dé collage als Realität der Straße‘ definierte und in deren Zuge er die Aktion und die Stadt wegweisend zum Medium und Ort seiner künstlerischen Praxis erklärte.

Die ‚dé collage‘, ein zentraler Begriff in der Vostellschen Nomenklatur, verweist auf die Intention seiner happenings, bei der es um Eingriff in die Realität, Trennung bestehender Zusammenhänge, Störung internalisierter Handlungsabläufe im Sinne einer kreativen Destruktion geht. Damit zielt die ‚dé collage‘ auf bewußte Veränderung, auf Thematisierung des Bestehenden ab und ist so in ihrem Kern emanzipatorisch.

Ebenfalls 1954 realisierte Vostell in Wuppertal das happening ‚Skelett‘ als ein ‚dé collage‘-Theater, bei dem ‚mit x-beliebigen Mitteln über Nacht spontan oder auch am Tag bewußt‘ (Vostell) eine bekannte Stelle der Stadt verändert wurde.

Das ‚cityrama‘, am…

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