Biennalen: Biennale von Havanna , 1994

Ines Anselmi

Kunst Macht und Marginalität

»5. Biennale von Havanna«

Kunstpilger aus aller Welt strömten Anfang Mai scharenweise nach Havanna zur Eröffnung der 5. Biennale von Havanna. Verstreut über die Stadt stellten rund 170 Künstler und Künstlerinnen aus über 40 Ländern gegen 700 Werke aus. Viele Besucher waren über die riesigen Dimensionen sowie die professionelle Organisation und Präsentation überrascht. Von Dritt-Welt-Qualität keine Spur. Wie war es überhaupt noch möglich, ein solches Event in einem Land, das kurz vor dem Ruin steht, zu realisieren? Für viele ein Rätsel.

1986, anlässlich der 2. Biennale, öffnete sich die Kunstschau nach anfänglicher Beschränkung auf Lateinamerika dem Kunstschaffen der gesamten Dritten Welt (damals noch im ursprünglichen Sinne als „Dritter Weg“ der Blockfreien verstanden). Hunderte von Künstlerinnen und Künstlern aus Asien, Afrika und Lateinamerika, denen der Zugang zu renommierten Schauplätzen moderner Kunst wie Kassel oder Venedig verwehrt war, wurden eingeladen und ausgestellt. Inzwischen ist in Havanna für solche Grosszügigkeit kein Geld mehr vorhanden. Die Organisatoren konzentrierten sich hauptsächlich auf das Naheliegende: auf das zeitgenössische Kunstschaffen Lateinamerikas und der Karibik.

Asche, Babylon und Derwische

Publikumsmagnet und Mittelpunkt der Biennale bildete das Museo Nacional de Bellas Artes, wo auch die gutbesuchten theoretischen Debatten und Podiumsgespräche mit Künstlern, Kritikern, Museumsleuten, Kunstsammlern etc. stattfanden. Einige Künstler nutzten die einzigartige architektonische Kulisse Alt-Havannas für eine geradezu theatralische Inszenierung ihrer Werke. Der Spiegelsaal des ehrwürdigen Theaters Garcia Lorca gab zum Beispiel einen phantastischen Rahmen ab zu einer aus winzigen Brotstückchen auf Keramikplättchen mosaikartig zusammengefügten Installation von Hector Fuenmayor aus Venezuela. „Dass es Hunger gibt, war schon immer die…

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