Magazin: Bücher , 2004

Kunst nach der Wissenschaft

Wissenschaftliche Untersuchungsmethoden erscheinen in manchen Fällen ausgesprochen fragwürdig. Besonders dann, wenn sie trotz exakter Durchführung keine nennenswerten Erkenntnisse liefern. Marcel Duchamp hat mit seiner Arbeit „Trois stoppages étalon“ den Glauben an die wissenschaftliche Methodik auf spielerische Art erschüttert. Er ließ einen zwischen den Händen gespannten Faden dreimal auf eine schwarz gestrichene Leinwand herabfallen und fixierte ihn in der Form, in der er liegen blieb. „Dieses Experiment machte ich 1913, um Formen festzuhalten, die durch Zufall entstanden sind, durch meinen Zufall. Gleichzeitig die (Idee der) Längeneinheit: ein Meter wurde aus einer geraden in eine gekrümmte Linie verändert, ohne wirklich seine Identität als Meter zu verlieren, und dennoch warf das einen paraphysischen Zweifel auf den Begriff der Geraden als dem kürzesten Weg zwischen zwei Punkten.“ Mit seinen spielerischen Versuchsanordnungen und Modellen gehört Marcel Duchamp zu den Vorbildern der Künstler, die sich in ihrer Arbeit mit der Wissenschaft beschäftigen. Seit den 1990er Jahren gibt es ein besonderes künstlerisches Interesse an diesem Themenkreis, das in Ausstellungen wie „Art & Brain“, „Hybris“ oder „post naturam – nach der Natur“ dokumentiert wurde. Susanne Witzgall nahm dies zum Anlass in ihrem Buch „Kunst nach der Wissenschaft“ die künstlerischen Strategien zu befragen. Dabei erörterte sie nicht nur aktuelle Tendenzen, sondern untersucht auch die kunsthistorischen Vorbilder. „Ausstellungen als öffentliche Foren der Kunst“ waren der Ausgangspunkt ihrer Analyse. Unter den Teilnehmern wählte sie exemplarisch 13 künstlerische Positionen aus, mit denen sie sich intensiv beschäftigte. Im Anhang des umfangreichen Buches befinden sich die Interviews, die sie mit den…

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von Cornelia Gockel

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