Essay , 1975

KLAUS STAECK

Kunst und Prostitution

Im Rahmen der Jahrestagung des Deutschen Künstlerbundes in Mainz waren 10 Künstler eingeladen, am 12. Oktober 1974 ein Statement zur Sache Kunst abzugeben. Wir drucken hier den Wortlaut des kurzen Statements von Klaus Staeck ab:

Es ehrt den Deutschen Künstlerbund, einem ausjurierten Nicht-Mitglied, von dem man erfahrungsgemäß nur Kritik zu erwarten hat, Gelegenheit zu einem Statement zu gehen. Es geschah wohl mehr unfreiwillig, daß mir der DKB die Argumente für diese Kritik gleich frei Haus mitlieferte. Bitte erschrecken Sie nicht, daß ich Ihre Einladung dazu benutze, mir über den Künstlerbund selbst einige notwendige (bedanke zu machen. Wer ein wenig meine Arbeit kennt, wird begreifen, daß ich diesen Auftrag nicht anders verstehen kann.

Ursprünglich hatte ich mich gern an dem Ausstellungsteil ‚Künstler erklären ihre Konzeption‘ beteiligt. Dafür hatte ich drei Plakate eingereicht, an denen ich Entstehungs- und Wirkungsgeschichte meiner Arbeit erläutern wollte. Nun, die Jury hat es vorgezogen, die Öffentlichkeit vor meinen Absichten zu bewahren. Da besagte Plakate schon tausendfach verbreitet wurden, hätte mich diese Entscheidung nicht weiter betrübt, wäre mir nicht eine der Begründungen zu Ohren gekommen. Danach meinten einige Juroren, man könne keine Arbeiten aufnehmen, die offen die CDU angreifen, wo man doch in Mainz so großzügige Unterstützung erfahren habe. An der Qualität der Arbeiten kann es wohl kaum gelegen haben, da sie schon auf vielen internationalen Ausstellungen gezeigt wurden. Nur unter den spezifischen Bedingungen des Künstlerbundes ist eine Teilnahme mit solchen Arbeiten offenbar nicht möglich. Es ist für mich nichts Neues, daß meine Arbeiten aus politischen Gründen…

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