Gespräche mit Kunstvermittlern · von Vitus H. Weh · S. 459
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1996

Kuratieren für den Staat -Österreichs Modell der Kunstförderung

VITUS H. WEH SPRACH MIT STELLA ROLLIG UND MARKUS BRÜDERLIN

Jede staatliche Förderung will organisiert sein. Dies gilt auch für die Förderung zeitgenössischer Kunst. Die Lösung, die Österreich hierfür gefunden hat, verdankt sich dem Zentralismus und bündelte sich in der Institution der Bundeskuratoren: zwei auf zwei Jahre eingesetzte Personen, die mit ihrem Etat von je 30 Mio öS (4,3 Mio DM) künstlerische Projekte oder Strukturmaßnahmen autonom auswählen und unterstützen können. Die ersten zwei Kuratoren, Cathrin Pichler und Robert Fleck, begannen 1992. Ihre Nachfolger, Stella Rollig und Markus Brüderlin, waren seit 1994 im Amt. Im September ist auch ihr Turnus zu Ende gegangen. Mit beiden sprach Vitus H. Weh.

Stella Rollig

Stella Rollig, 1960 geboren in Wien. Studium der Germanistik und Kunstgeschichte. 1985-90 Redakteurin des ORF-Hörfunks, 1990 Redakteurin der Tageszeitung Der Standard, danach freie Journalistin (u.a. für Artis, Contemporanea, Art News, Die TAZ, Noema, Eikon) und seit 1992 Projektorganisation. 1994-96 Bundeskuratorin im Auftrag des österreichischen Ministers für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

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V.H. W.: Frau Rollig, wie hat man sich die Aufgaben einer staatlichen Kuratorin vorzustellen?

S. R.: Der Auftrag des Ministeriums läßt einem völlige Freiheit, über die Subventionsmittel zu verfügen. Laut Vertrag ist man nur aufgefordert, „zukunftsweisende“ Formen von Kunst, Künstler oder besonders geeignete Präsentationsweisen von Kunst zu fördern. Man sieht, darunter fällt so ziemlich alles. Es gibt auch keine nationale Einschränkung – das Wort österreichisch kommt nicht vor. Der ganz entscheidende Punkt aber ist, daß die Kuratoren im Unterschied zu anderen Gremien selbst initiativ werden können und sollen.

Eine…

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