Ausstellungen: London , 2003

EDGAR SCHMITZ

L’Air du Temps

Bloomberg Space, London, 17.5. – 12.7.2003

Arbeiten haben hier an allem Möglichen Anteil. Erst mal, weil „L’Air du Temps“ sowohl Nina Riccis Parfum im Kitschflacon ist als auch irgendwie Zeitgeist bedeutet und sich dazwischen Netzwerke (nostalgisierender) Rückverweise ergeben. In den Texten, die in die Ausstellung eingebaut sind, kommt das immer wieder als Reminiszenz und Familiengeschichte vor. In den Arbeiten selbst haftet es sich an die Ästhetik von John Armleders Plexiglasskulpturen an, die gleichermaßen überholt und wiedererkennbar erscheinen, oder auch an Fischli und Weiss‘ Endlosschleife einer milchtrinkenden Katze. Die Lupe liegt hier auf dem Alltäglichen als Karikatur des Domestischen, die auf dem freistehenden Bildschirm hier ihren Platz knapp neben dem Heimvideo beansprucht.

Über vage Nostalgik und das scheinbar Vertraute des Heimischen hinaus hat Teilhabe hier aber vor allem auch mit der Anlage der Ausstellung selbst zu tun, die im Schaukasten der Bloomberg Gruppe konzeptionell direkt in die Abläufe und das Selbstverständnis des Medienkonzerns eingebunden sind. (Dass Bloomberg sich in Großbritannien zunehmend als Sponsor zeitgenössischer Kunst profiliert, neutralisiert diese Konstellation nicht, sondern verschärft sie nur.) Fischli und Weiss trotzen diesem Rahmen monumentalisierte Banalität ab. Haim Steinbachs den enormen Raum dominierende Wandbeschriftung ,On Vend du Vent‘ (1988) vollzieht genau, was sie erklärt: perfekte Einbindung, Präsentation als Selbstzweck und damit die Herstellung eines neuartigen Raums für künstlerische Produktion und Eingriffe. Aber was sich hier einlöst und immer schon als Prämisse der Arbeit angesetzt ist, formuliert eine notwendig prekäre Differenz, und andere Arbeiten stehen durch die Spannung eines solchen Eingebundenseins deutlich stärker unter Druck.

Tendenziell…

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von Edgar Schmitz

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