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Ausstellungen: Wendlingen/München · von Reinhard Ermen · S. 361 - 361
Ausstellungen: Wendlingen/München , 1992

Reinhard Ermen
Lali Johne: nritija

Städtische Galerie Wendlingen, 24.1. – 23.2.1992
Galerie Rupert Walser, München, 10.3. – 30.4.1992

Die Künstlerin ist eine ungewöhnliche Erscheinung; Lali Johne (*1955) erlebt, was andere schon erlebt haben, nämlich seit einiger Zeit den Übergang von der Figuration zur Abstraktion, und zwar so neu, so authentisch als spiele sich das etwa um 1910 ab. Trotzdem ist das kein postmoderner Klassizismus, sondern eine (vielleicht sogar wiedergeborene) Malerei, die einen eigenen Standort einnimmt, gerade weil sie sich jenseits von Gestern und Heute bewegt.

Lali Johne ist jetzt bei abstrakten Farbtafeln angelangt. Ihre Arbeiten, die zuallererst durch ihren enormen Farbsinn beeindrucken, realisiert sie mit einer meisterlich anmutenden Technik. Dementsprechend geht von den Bildern auch eine seltsam ferne, sozusagen „unmoderne“ Aura aus; solche Malerei gibt es heute eigentlich nicht mehr. Die Ölfarbe wird in unterschiedlich transparenten Schichten aufgetragen, bzw. wird aufgebaut aus mehreren übereinanderliegenden offenen Farbdecken, die zuletzt mit dem Spachtel geschlossen werden. In das geschichtete Material ritzt Johne Striche, Furchen, die sich gelegentlich auf offengebliebene Stellen beziehen, in jedem Fall aber mit den ursprünglichen horizontalen und vertikalen Malbewegungen korrespondieren. Das sind Markierungen, Andeutungen, Reste von Perspektiven, die einen illusionären Raum beschreiben, und zwar in einem Farbraum, der nochmals durch das Aufreißen der Schichten und ihrer unterschiedlichen Töne materialisiert wird. Da, wo jetzt die aufgerissenen Furchen den Raum andeuten, standen noch vor nicht allzu langer Zeit schmale, schemenhafte Figuren, die in die Farbe eingelassen zu sein schienen. Den Farbraum beschrieben naturhaft verschwommene Park-, See- und Nachtlandschaften, von denen als später Nachklang eine Stimmung…



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