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Titel: Kunst und Geld · von Jürgen Raap · S. 206 - 209
Titel: Kunst und Geld , 2000

JÜRGEN RAAP
»Le Capital«

CENTRE REGIONAL D’ART CONTEMPORAIN SÈTE/FRANKREICH,
14. JULI BIS 10. OKTOBER 1999

Zwei unterschiedliche theoretische Ansätze lieferten dem politischen Denken des 19. Jahrhunderts wesentliche Impulse: Jean-Jacques Rousseaus Idee vom „Sozialvertrag“ mündete in die Staatstheorien der späten Aufklärung und der sich im 19. Jh. entwickelnden bürgerlichen Demokratien. Zur Bibel der Arbeiterbewegung wurde hingegen „Das Kapital“ von Karl Marx. Mit seiner Klassenkampf-Theorie, mit den Begriffen des kapitalistischen Mehrwerts und der damit verbundenen Beschreibung einer „Entfremdung“ des Arbeiters zum Produkt seiner Tätigkeit lieferte er den politisch-sozialen Auseinandersetzungen in den Industriegesellschaften die ideologische Basis: In Deutschland verabschiedete sich die SPD erst 1959 in ihrem „Godesberger Programm“ vom Marxismus.

In der Mitte des 19. Jh. hätten sich die Künstler „von den großen Sujets der Historienmalerei“ emanzipiert, heißt es eingangs im Katalog zur Ausstellung „Le Capital“ 1999 in Sète. Dies geschah in engem Zusammenhang mit einem veränderten Bild vom Menschen und der Welt, das sich in den Idealen der Französischen Revolution ankündigte. Außerhalb Frankreichs war in jener Epoche einer der ersten konkreten Schritte einer Annäherung zu einem neuzeitlichen Freiheitsbegriff die Aufhebung der bäuerlichen Leibeigenschaft gewesen. In Preußen war bereits 1807 verkündet worden: „Nach dem Martinstag 1810 gibt es nur freie Leute“, in Russland geschah dies freilich erst 1861 durch Zar Alexander II. Obwohl die „Befreiung“ des Bauernstandes sozial- und ideologiegeschichtlich mit dem bürgerlichen Liberalismus und dessen Werten eng zusammenhing, sah später eher die sozialistische Arbeiterbewegung die Bauern als ihre natürlichen Verbündeten an – in der DDR z.B. nannte man in den fünfziger Jahren die neuen Bildungseinrichtungen…


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