Ausstellungen: Lingen , 1988

Gabriele Rivet

Leiko Ikemura

Kunstverein/ Galerie im Theater am Nordring, 9.4. – 8.5.1988

Nicht ich, schreckt die so betitelte Zeichnung von Leiko Ikemura gleich zu Beginn der Ausstellung im Kunstverein Lingen den Betrachter auf; ein Selbstportrait, das zugleich die Eigenständigkeit jeder Darstellung dem Dargestellten gegenüber zum Ausdruck bringt. Nicht ich, wehrt die gebürtige Japanerin mit Schweizer Staatsbürgerschaft, die viele Jahre in Spanien, in der Schweiz und in der Bundesrepublik Deutschland verbracht hat, auch jeden Versuch ab, sie einem nationalen Kontext zuzuordnen. Mal wird sie als typisch japanische, dann als typisch schweizerische, deutsche oder wiederum -wie kürzlich in einem Vorwort zu einer Ausstellung im Hara-Museum in Tokio -als „spanische“ Künstlerin bezeichnet. Dies sind verzweifelt anmutende Versuche, ihre Kunst unter einen Nenner zu bringen; was wahrlich schwerfällt, denn die Ergebnisse des spielerischfreien Umgangs der Künstlerin mit den kulturellen und kultischen Versatzstücken ihres Herkunftslandes sowie denen der einzelnen Stationen ihrer Wahlheimat Europa liegen jenseits eindeutiger Nationalitäts- und Kulturzuschreibungen.

In einer von Heiner Schepers im Kunstverein Lingen sorgfältig ausgerichteten Ausstellung werden die Vielseitigkeit und die Differenziertheit der Kunst von Leiko Ikemura unter Beweis gestellt. Die Zeichnungen, Ölbilder und Skulpturen – letztere waren erstmalig im Forum Kunst in Rottweil zu sehen – stammen sämtlich aus den letzten beiden Jahren. Gegenständliches wie Menschen, Tiere, Fabelwesen, Pflanzen oder Elemente aus der Architektur wird aufgelöst, sei es durch Verwischen der Zeichnungen, Übereinanderlagerung und -schichtung in der Malerei oder Vergröberung in der Skulptur. So entsteht Raum zur Kontemplation.

Den Rahmen der Ausstellung bilden mit der bereits erwähnten Zeichnung 8 Ölgemälde, viele davon mit dem…

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