Ausstellungen: Lausanne , 2001

Amine Haase

Leiko Ikemura

»Les années lumiere – Lichtjahre«

Musée cantonal des Beaux Arts, Lausanne, 12.4. – 24.6.2001

„Der Herbstmond
leuchtet strahlend klar
auf die Berge nieder:
fordert er uns vielleicht auf,
jedes Blatt, das fällt, zu zählen?“

Leiko Ikemura nennt ihre Ausstellung im Museum von Lausanne „Les années lumières“, Lichtjahre. Aber ist es die strahlende Sonne der Aufklärung, die das französische „lumière“ nahe legt? Ist es nicht eher der Mond, so wie er in Gedichten aus dem „Kokin Wakashu“ (wie oben) besungen wird? Leiko Ikemura ist eine Wanderin zwischen den Welten ihrer japanischen Heimat und des Europa, in dem sie seit sie zwanzig ist, seit fast dreißig Jahren, lebt. Ihre Geschöpfe sind Somnambule, die ihr eigenes Sein träumen, so scheint es, und deren Anwesenheit die Klarheit des Schlafes der Vernunft hat. Aber es sind keine Monster, die sie gebiert, nicht nur. Es sind Gewächse, die sich unserem ach so wachen Verstand zu entziehen versuchen. Und das macht ihren Zauber aus, dass sie uns in eine Zwischenwelt entführen, in der unsere alltäglichen Spielregeln außer Kraft gesetzt sind. Dennoch folgen sie etwas, was man ihre eigenen Gesetze nennen möchte: etwas Mythischem, das sich an keine überlieferten Bilder hält, sondern, das Element ihrer Existenz, ihren Nährboden, in sich selber finden. Ihre Hülle ist der Körper – oft als Mädchen zwischen Kindsein und Erwachsenwerden zu erkennen. So manches dieser Mädchen trägt einen „Katzenschwanz unter dem Rock“ (Ikemura) – und der lugt auch ab und zu hervor. Nicht zu sehen sind die „zwei versteckten Flügel“, aber man glaubt der…

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