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Ausstellungen: München · S. 344 - 344
Ausstellungen: München , 1990

Gabi Czöppan
Leo Copers

»Gekleurde Karaffen – Witte Wijn«

Galerie Six Friedrich, 4.3. – 28.3.1990

Leo Copers „Aion Eteros, Aion Kainos“

Kunstforum, Städt. Galerie im Lenbachhaus, 2.3. – 19.4.1990

Wenn der Alchimist einen Stoff in einen anderen verwandelt, dann symbolisieren die Farben die Veränderungen, die sich in dem Augenblick in seinem Inneren vollziehen. Nicht so bei Leo Copers. Der belgische Künstler, 1947 in Gent geboren, zeigt solche Prozesse und Situationen meist distanziert und anonym auf. Viele seiner Arbeiten sind ungewollt abstrakt und extravagant.

So arrangierte er an den Wänden der Galerie Six Friedrich edle Weinkaraffen aus Kristall, handbearbeitete, kunstvoll geschliffene Essenzträger aus der berühmten Manufaktur „Val Saint Lambert“. Mit Farben akzentuiert, beinhalten sie tödliche Flüssigkeiten: Die 27 weißen und 12 roten Weine sind erlesene Tropfen, unsichtbar versetzt mit einer Spur tödlichen Gifts. So vermengt sich etwa der 1964er Sauterne mit Atropa Belladonna (Tollkirsche), ein 1987er Sauvignon mit Strychnos Nuse Vomica (Strichnin). Es ist das Wissen um die Alchimie (und der verklebte Karaffenhals), der uns vor einem tödlichen Genuß dieser hervorragenden Weine bewahrt.

Die kostbaren Glaskaraffen, jede für sich ein Unikat und mit hellgrünen oder roséfarbenen Partikeln auf den geschliffenen Ecken der Flaschen den Inhalt verschleiernd, vermitteln Illusionen des Sinnlichen, denn der Genuß ihres Inhalts würde unmittelbar zum Tode führen. So bleiben, ganz romantisches Ideal, nur die Sehnsucht und das Verlangen nach einem bis zum Tode ausgekosteten Rausch. Gerade durch diese Mischung aus köstlichem, aber ungenießbarem Wein in verschlossenen, kostbaren Karaffen verlieren die Materien ihre Identität, und es entsteht eine Scheinrealität, ein Konzentrat von vergifteter Schönheit. Auf Zeichnungen…


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