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Ausstellungen: New York/Madrid · von Heinz-Norbert Jocks · S. 357 - 359
Ausstellungen: New York/Madrid , 1994

Heinz-Norbert Jocks
Lucien Freud

»Ohne Flirt mit sich«
The Metropolitain Museum of Art, New York,16.12.1993 – 13.3.1994

Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofiá, Madrid, 6.4. – 13.6.1994

Was ist der Mensch? Eine jener gewaltigen Dauerfragen, die unsere Denk- und Sehkapazität bei weitem übersteigt und uns nie wieder losläßt, solange wir uns ihr aufrichtig stellen. Lucien Freud, lange Zeit außerhalb Englands relativ unbekannt, ist einer jener begnadeten Maler, die sich bis heute von der Anschauung leiten lassen. Seit seiner Ausstellung in New York wird er auch in Amerika auf ganzen Feuilletonseiten zum großen Star der weiterentwickelten Figuration erklärt. Offenbar hat sich mit dem Tod von Francis Bacon, mit dem er eng befreundet war, sein Ruhm auf wunderbare Weise vermehrt. Nachgesagt wird ihm, über magnetische Aura zu verfügen, aber auch sein dämonischer Charakter. Neben David Hockney oder Richard Hamilton wirkt der 71jährige Enkel Sigmund Freuds, der mit seinen Eltern 1932 von Berlin nach London emigrierte, eine Spur exzentrischer, dank der Mysteriösität und Fremdheit, die er ausstrahlt. Dort, an der Themse, legte er sich das Image eines artiste maudit zu: ein Rimbaud, der von den „Blumen des Bösen“ verzaubern ließ.

Freud, Teil der Londoner Folklore, schlug einen Malweg ohne versöhnliches Ende ein. Nie suchte er nach dem Schönen, das zu beglücken verspricht, eher nach der enttraumatisierten Magie des Häßlichen. Nie war er daran interessiert, dem Real- ein Ideal-Ich vorzugaukeln, also etwas zu erschaffen, was es eigentlich nicht gibt. Er, außerhalb der Tradition britischer Malerei, ist ein uferloser Hyperrealist auf Empfang und mit Nullsinn für das, was…



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von Heinz-Norbert Jocks

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