Magazin: Museen & Institutionen , 1996

Uta M. Reindl

MACBA: Museo D’Art Contemporani de Barcelona

Nun hat Barcelona endlich sein Museum für zeitgenössische Kunst: das Museo D’Art Contemporani mitten im Hafenviertel der katalanischen Metropole, MACBA genannt. Sein Architekt war kein geringerer als der Amerikaner Richard Meier, und die 1990 begonnenen Bauarbeiten waren im letzten Jahr abgeschlossen worden. Mit dem Gebäude nimmt der amerikanische Super-Architekt den Dialog auf mit dem urbanen Umraum, so zitiert die mit weißen Platten sachlich gestaltete Fassade sowohl die Geometrie der weitgehend präzise strukturierten Stadtstrukturen Barcelonas sowie die Rundungen der umliegenden Sakralbauten. Die zum Vorplatz gerichtete Front ist durch eine große Glasfläche transparent und erlaubt den Blick in das Innere des Hauses durch die diagonal verlaufende, alle Ausstellungsebenen verbindende Raumkonstruktion hindurch. Die Transparenz setzt sich dort fort, nämlich in den vielfältig unterbrochenen Trennwänden der Ausstellungssäle oder gar den Glasbauten im Fußboden des oberen Galerieganges.

Dennoch hatte mit Bauabschluß im Frühjahr 1995 die feierliche Eröffnung des MACBA nicht stattfinden können, weil sich die Verantwortlichen nicht auf die Kunst für das Haus hatten einigen können. Konzeptionslosigkeit, regionalpatriotische Interessen der katalanischen Geldgeber, aber auch mangelnde Kooperation zwischen Architekten und Direktion prägten die Vorgeschichte des neuen Museums, das nun mit dem auslandserfahrenen und sehr diplomatischen Katalanen Miquel Molins nach häufigem Machtwechsel in der Chefetage seinen Direktor hat. Hiermit erklärt sich auch Molins Entscheidung, für die Eröffnungsausstellungen fünf Kuratoren zuständig zu machen und selbst noch keinerlei Statement über das langfristige Programm des Hauses abzugeben, zumal er mit drei völlig verschiedenen und reichlich gemischten Sammlungen zur zeitgenössischen Kunst fürwahr kein leichtes Erbe…

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von Uta M. Reindl

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