Biennalen: Manifesta · von Thomas Wulffen · S. 448
Biennalen: Manifesta , 2002

THOMAS WULFFEN

MANIFESTA 4

EUROPÄISCHE BIENNALE ZEITGENÖSSISCHER KUNST IN FRANKFURT
(25. MAI – 25. AUGUST 2002)

WIEDERHOLTER VERSUCH EINER (UNVOLLSTÄNDIGEN) TYPOLOGIE
ZEITGENÖSSISCHER KUNST ANHAND EINES KONKRETEN BEISPIELS

MIT EINEM FOTORUNDGANG VON WOLFGANG TRÄGER

Die Situation ist verworren. Hatten wir gerade gedacht, das Ende des Kalten Kriegs verarbeitet zu haben, sehen wir uns neuen Herausforderungen und Fragestellungen gegenüber. Der 11. September 2001 hat die Parameter globaler Verhältnisse verschoben, zu Ungunsten Europas und zu Gunsten der USA. Neue Frontlinien sind aufgemacht, hinter denen sich die Kunst verstecken kann, wenn sie es will. Die Documenta11 tut dies nicht und scheint in der Ausrufung eines postkolonialen Zeitalters jenen Rettungsanker gefunden zu haben, der der Ausstellung in Kassel ihre Bedeutung gibt. Aber der gleiche Anker mag in naher Zukunft auch eine Ökonomie der Kunst retten, die Auswege aus einem Dilemma sucht. Zum einen braucht sie neues Material, zum anderen will sie ihre Gutwilligkeit beweisen, indem sie selbst eine postkoloniale Zukunft entdeckt. Das heißt dann, dem Markt neue Namen zuzuführen. Wer die betreffenden Namen auf der Documenta genauer studiert, wird auch schon fündig.

Das sind Forderungen an eine Kunstausstellung, die schwer zu erfüllen sind. Einerseits muss sie einen theoretischen Subtext ausfüllen, dessen Parameter weit reichen. Das ist zum einen jenes verhängnisvolle Datum, dass die Amerikaner selbst mit der Notrufnummer 911 gleichsetzen können. Andererseits und damit verbunden sind es das ,Empire‘ als Realität, G8, Attac und virtuelles Kapital, und als Fiktion, die Multitude und der Ausgleich zwischen arm und reich. Können wir dabei die ökologische Frage vergessen oder die Zuwanderungsproblematik?

Für die…

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