Titel: Manifesta · von Claudia Posca · S. 310
Titel: Manifesta , 1998

CLAUDIA POSCA

Manifesta in Luxemburg

Unterwegs zur Kunst im erweiterten Europa

Der Biennalen gibt es viele, hatte man gedacht und mit einer weiteren kaum gerechnet. Doch das war ein Irrtum. Zwei Ausgaben jung ist ein neuer Typ Ausstellung, der unter dem Titel „Manifesta – Europäische Biennale für zeitgenössische Kunst“ firmiert. Am 28. Juni wurde sie in Luxemburg an gleich fünf Ausstellungsinstituten1 und dem öffentlichen Raum eröffnet. Alle zwei Jahre ist sie geplant, in je einem anderen Land von stets neuen Kuratoren organisiert. In Luxemburg war sie knapp vier Monate zu sehen, in denen das internationale Kunstpublikum, wenn nicht unbedingt beglückt, so doch in den Stand aktualisierter Kenntnisse der zeitgenössischen Ästhetik Ost- wie Westeuropas versetzt wurde.

Eine Bestandsaufnahme junger europäischer Kunst auf hohem Niveau sollte es sein, die mit Blick auf die „post-communist era“2 und die veränderte Situation eines erweiterten Europas von den drei Ausstellungsmachern Robert Fleck (Paris/Wien), Maria Lind (Stockholm) und Barbara Vanderlinden (Brüssel) zusammengestellt wurde. Im Visier hatte man vor allem Künstler und Künstlerinnen aus Osteuropa, denen ein Tor zum internationalen Ausstellungsbetrieb geöffnet wurde, um das in die Tat umzusetzen, was die aktuelle Kunstszene im allgemeinen immer noch stiefmütterlich behandelt, nämlich Kunst aus Osteuropa der des Westens gleichberechtigt an die Seite zu stellen. So hatte man u.a. die kroatische Videokünstlerin Sanja Ivekovic eingeladen, die für ihr Frauenhausprojekt mit mißhandelten Frauen aus Kroatien und Luxemburg zusammenarbeitete, Gipsabdrücke ihrer Gesichter nahm und ihre Namen auf Postkarten sowie die Außenfassade des Stadtmuseums drucken ließ; oder die jugoslawische Installationskünstlerin Apolonija Sustersic, die sich mit ihrer zur Rast…

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