Monografie , 1985

Hanne Weskott

Maria Lassnig

Geboren zwischen den beiden Weltkriegen in einem Bauernhaus in Kärnten, lag die Vorstellung, die Malerei zum Beruf zu machen, sicher außerhalb jeder Reichweite für die junge Maria Lassnig. Trotz des Ratschlags eines Wahrsagers und immerhin auch des Zeichenlehrers wurde sie zunächst das, was man einem Mädchen mit Schulbildung damals als Berufsmöglichkeit zugestand: Lehrerin. Ein Jahr hat sie diesen Beruf ausgeübt und nach eigenem Bekunden mehr Kinder gezeichnet als unterrichtet. Da war dann die anstrengende Radtour nach Wien mit der Zeichenmappe auf dem Gepäckträger nur folgerichtig. 1941 wird sie von Wilhelm Dachauer in seiner Meisterklasse an der Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen. Auf seine Anerkennung allerdings konnte sie nur bis 1943 zählen; dann warf er sie als entartet raus. Sie wurde dann trotzdem von Ferdinand Andri als Schülerin akzeptiert, aber das, was sie eigentlich lernen wollte, konnte sie sich nur selbst beibringen: das ’senkrechte, absolute Farbsehen‘. Dabei starrte sie solange auf einen Farbpunkt, bis die Lokalfarbe verschwand und ‚die ganze erschreckende Relativität der Farbe einen Weg zur Auswahl freigab‘. Diese Fähigkeit, Farben zu schauen und einzusetzen muß noch heute jeden Liebhaber von Malerei zuerst für sie einnehmen.

Es gibt sicher nur wenige Maler/innen für die die Farbe eine so umfassende Bedeutung hat wie für Maria Lassnig. Sie ist für sie nicht nur Ausdrucksund Bildträger, sondern auch wesentlicher Bedeutungsträger. Es gibt für sie ‚Gedankenfarben, Geruchsfarben, Fleischdeckenfarben, Schmerzfarben und Qualfarben, Nervenstrangfarben, Druck- und Völlefarben, Streck- und Preßfarben, Höhlungs- und Wölbungsfarben, Quetsch- und Brandfarben, Todes- und Verwesungsfarben, Krebsangstfarben – das sind Wirklichkeitsfarben.‘

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von Hanne Weskott

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