Ausstellungen: Münster · von Claudia Posca · S. 298 - 299
Ausstellungen: Münster , 2006

Claudia Posca

Markus Schinwald

»Von Korridoren und anderen Dingen«

Ausstellungshalle zeitgenössische Kunst Münster, 19.11.2005 – 8.1.2006

Dass Künstler Gefallen finden am Korridor gehört nicht zum Tagesgeschäft bildnerischer Produktion. Allenfalls die Architektur oder hie und da auch die Installation liebäugelt mit schummrigen Dielen, vertrackten Entrees oder phantastischen Vestibülen. Aber sonst? Verheißungsvoller locken Winkel, Nischen, Ecken; Visionen spinnt man nicht über den gemeinen Flur.

Es sei denn, Markus Schinwald ist am Werk. 1973 wurde er als Sohn einer Lehrerin und eines Schulinspektors in Salzburg geboren, reiste über Berlin und Los Angeles nach Wien – seinem aktuellen Wohnsitz -, hatte seinen künstlerischen Durchbruch 2001 mit dem Film „Dictio pii“ (Ausspruch der Seligen), brillierte auf Ausstellungen in Spanien, Italien und Deutschland, u.a. im letzten Jahr im Frankfurter Kunstverein sowie 2005 auf der Art Cologne, Sparte „Open space“, und plant im Jahr 2006 schon wieder den nächsten Coup: eine Einzelausstellung im Londoner Institute of Contemporary Arts.

Aufmerksam beobachtet man derzeit, was dieser junge Österreicher treibt. Schließlich gelingt nicht jedem Newcomer die souveräne Inszenierung von Bildern, die unter der Oberfläche des Alltäglichen Seelenlandschaften schürfen bis hinab zu leibpsychischen Urgründen. Dem Nebulösen, den Sehnsüchten und menschlichen Abgründen, den diffusen Leidenschaften und Ängsten, dem Zwischenmenschlichen und der Geste und nicht zuletzt der rätselhaften Symbiose von Körper und Geist gelten seine multi-medial bespielten Interventionen. Lebensgroße Marionetten gehören zum Repertoire, Fotoserien, Performances, Installationen und immer wieder die Inszenierung. „Die „große Form“ ist wahrscheinlich biografisch bedingt. Ich bin schon einige andere ästhetische Strecken abgelaufen, bevor ich in der bildenden Kunst angekommen bin, hab seit dem Alter…

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