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Ausstellungen: Düsseldorf · S. 296 - 296
Ausstellungen: Düsseldorf , 1988

Heinz-Norbert Jocks
Matthias Kunkler

Galerie Elke und Werner Zimmer, 1.3.-9.4.1988

Was passiert, wenn ein unbewohnter, weißer Raum plötzlich von einer Bildlawine überschwemmt wird und damit die totale Inbesitznahme des Raumes durch die Farbe, die nicht eine Ecke ausläßt, erfolgt, hat der 1957 in Borken geborene, heute in Düsseldorf lebende Maler Matthias Kunkler, Meisterschüler bei R. Girke, schon mehrfach demonstriert. In seinen „bebilderten Räumen“, die Erinnerungen an Höhlen, und damit an den „Mutterschoß der Erde“, den „Vor-Raum zum Leben“ (Alban Sänger) wecken, gelingt die Orientierung nicht auf Anhieb. Erst mit der Zeit gewöhnen sich die vom aggressiven Moment üppiger Farbmischungen überraschten und überforderten Augen an den angebotenen Schmaus. Ihn, den die Magie informeller Malerei mehr reizt als der notorische Zwang, etwas über Mensch und Dinge auszusagen, interessiert die vom Gegenstand abgekoppelte Wirkung kombinierter, in Bezug gesetzter Farben mehr als die bekannter und unbekannter gesehener und übersehener Gegenstände. Das Resultat dieses gegen die synthetisierende Phantasie gerichteten Entschlusses sind ungewöhnliche, sehr eigenwillige Bilder und Reliefs, zusammengesetzt aus übereinandergeklebten und gemalten Flächen, kleinen und größeren Kartons, zusammengezimmerten Holzkisten, alter und dicker Wellpappe und außer Funktion gesetzten, leinwandlosen Bilderrahmen, versehen mal mit einem Gold-, mal mit einem Farbanstrich. Der Rahmen kehrt hier als Zitat, mit dem Kunkler wie mit einem der möglichen Bildbestandteile jongliert, wieder. Wenn man die Aufzählung der Bildbestandteile liest, dann imaginiert man zunächst Chaos und Zufall. Aber wenn man die Bild-Assemblage längere Zeit anschaut, dann sieht man das Gegenteil: Schönheit und Ordnung, Phantasie und Struktur, geschaffen von einem in den Raum gehenden Farbmagier, dem…


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