Ausstellungen: Duisburg , 2011

Helga Meister

Max Klinger

»Von der herben Zartheit schöner Formen«

Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg, 21.1. – 24.4.2011

Der Einfluss von Max Klinger (1857-1920) auf die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts ist enorm. Käthe Kollwitz schielte bei ihren Rückenakten auf seine sensiblen Skulpturen, der junge Wilhelm Lehmbruck suchte sich seine „Badende“ als Vorbild, und Ferdinand Hodler reagierte auf Klingers Melancholie und Empfindsamkeit. Der Künstler aus Leipzig portraitierte die Heroen der Zeit, Nietzsche, Hauptmann, Wagner, Liszt und Brahms. Er begründete den Deutschen Künstlerbund (1903) in Weimar und finanzierte die spätklassizistische Villa Romana (1905) bei Rom als Künstlerhaus. Sein farbiges Beethoven-Monument gilt als Sinnbild des Symbolismus um 1900. Dennoch ist Klinger, der Kerl mit Fauns-Bart, der Liebhaber der Frauen, der Querulant gegen das imperiale deutsche Gehabe nach der Reichsgründung, nicht wirklich bekannt. Der große Klinger-Kenner Hans-Dieter Mück vom Künstlerhaus Apolda versucht die erste Rekonstruktion von Leben und Werk anhand der Korrespondenz. Er ist zugleich Kurator einer Klinger-Ausstellung, die aus Apolda ins Wilhelm Lehmbruck Museum gekommen ist. Sie enthält viele nie gezeigter Werke und einen Katalog, der neue Maßstäbe in der Klinger-Forschung setzt.

Wie notwendig diese Forschungsarbeit wird, zeigt die Sammlung des Südtiroler Immobilienhändlers Siegfried Unterberger. Klinger muss selbst in seinem ostdeutschen Wirkungskreis so sehr vergessen sein, dass Unterberger nach der Wende über seine Leipziger Niederlassung hundert (!) Arbeiten des Künstlers, darunter Silber- und Bronzegüsse, Steinarbeiten, Gemälde und Papierarbeiten, erwerben konnte. Mit seiner Privatsammlung sowie den Schätzen aus den Museen Thüringens und Sachsens von Altenburg über Leipzig bis Zwickau kam die bemerkenswerte Retrospektive zustande. Der Duisburger Kurator Gottlieb Leinz…

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von Helga Meister

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