Gespräche mit Kunstvermittlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 427
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1996

»Mein Gott, was mache ich mit Michelangelo, den ich so schwer ertrage?«

HEINZ-NORBERT JOCKS SPRACH MIT WERNER SCHMALENBACH

Der Aufstieg der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf ist eng verbunden mit Werner Schmalenbach, der 1962 von der Kestner Gesellschaft in Hannover nach Düsseldorf zog. 1920 in Göttingen geboren, aber in Basel aufgewachsen, wo er in seiner Jugendzeit im Schatten der Kunstverfolgung durch die Nazis eine der schönsten Sammlungen moderner Malerei entstehen sah, hat er sich, auch der Kunst gegenüber, die größte Unbefangenheit bewahrt. Er hat das Sammeln nie wissenschaftlich betrieben, ist nie Richtungen, Programmen, Theorien oder Trends hinterhergelaufen. Er, der Mann von optimistischer Ausstrahlung, verfochte das absolute Qualitäts- und Eliteprinzip, kaufte Spitzenwerke zu Höchstpreisen, darunter Picasso, Braque, Léger, Chagall, Kandinsky, Kirchner, Beckmann, Grosz, Magritte, Jasper Johns, Lichtenstein, Rauschenberg, Bacon oder Tàpies. Es ist sein Tagtraum, ein Pantheon afrikanischer Kunst aufzubauen. Als Redner, Berater und Schriftsteller auf Reisen, ist der Rhetoriker der freien Rede immer noch ein wegen seines Urteilvermögens und seiner Kunstliebschaft begehrter Mann. Mit ihm sprach Heinz-Norbert Jocks über Malerei und das Danach.

*

H.-N. J.: Herr Schmalenbach, es ist sicherlich ein Kurzschluß, davon auszugehen, daß Sie sich, da Sie für die Kunstsammlung NRW ausschließlich Gemälde gesammelt haben, mehr als ein Spezialist der Malerei denn als ein Mann der Skulptur verstehen?

W. Sch.: Ja, das ist ein Kurzschluß, denn weder bin ich für das eine noch für das andere ein Spezialist, weil ich nämlich überhaupt kein Spezialist für irgendwas sein will. Da hat sich so ein Spezialistentum entwickelt, woran mir selbst aber nichts liegt. Die…

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