Gespräche mit Künstlern , 1990

»Meine farbige Seite ist sehr träumlich«

EIN GESPRÄCH MIT MILAN KNIZAK VON HEINZ THIEL

Milan Knizak ist in den vergangenen Monaten durch zwei umfangreiche Einzelausstellungen (Mailand und Frankfurt) und vielfältige Ausstellungsbeteiligungen und Aktionen (Wiesbaden, Bonn) in der west-europäischen Kunstszene präsent gewesen. Für Dezember ist in Prag, wo Knizak seit seinem ersten Studienversuch, 1957 an der Pädagogischen Universität („aufgegeben, entlassen“), lebt, eine retrospektiv angelegte Ausstellung geplant.

Milan Knizak ist 1940 in Pilsen geboren, hat zweimal den Versuch einer akademischen künstlerischen Ausbildung gemacht und dann seit der Gründung der Gruppe „AKTUAL“, in Prag 1964, beständig am internationalen Kunstleben teilgenommen. Prozesse und Reisen charakterisieren sein Leben in gleichem Maße wie das künstlerische Arbeiten ohne Resonanz im heimischen, kulturellen Umfeld.

Das Gespräch wurde in Deutsch geführt und nur soweit grammatikalisch redigiert, daß der Eindruck des assoziativen Denkens und Redens nicht verlorenging.

*

H.T.: Milan Knizak, die geplante Ausstellung in Prag deutet an, daß es für Sie wieder die Möglichkeit gibt, in der Tschechoslowakei auszustellen.

M.K.: Das ist das erste Mal, daß ich eine große Ausstellung in Prag haben werde. Ich hatte eine große Ausstellung in Brünn (Brno), der Hauptstadt von Mähren, im April/Mai diesen Jahres. Das war die größte Ausstellung, die ich bisher hatte in meinem Leben, sogar größer als in der Kunsthalle Hamburg. In Brünn haben wir alle Rekorde gebrochen- etwa 1.000 Leute zur Eröffnung. Das war die erfolgreichste Ausstellung dort.

H.T.: Ist das eigentlich schon ein Ergebnis der Perestroika-Politik…?

Natürlich…wir haben zwar fast keine Perestroika, aber die Freiheit ist ein bißchen besser. Und im Kulturbereich kann man viel mehr machen als…

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