Magazin , 2005

Ursula Maria Probst

Men in Black – Handbuch der kuratorischen Praxis

Was kann ein „Handbuch“ bei kuratorisch Praktizierenden und anderen ausrichten: etwa die Beantwortung der Frage, ‘Wie kuratiere ich richtig?’, oder noch grundsätzlicher: ‘Was mache ich da eigentlich?’, oder auch ‘Wie erwehre ich mich der immer wieder laut werdenden Vorwürfe, KünstlerInnen (sofern ich nicht selbst eine(r) bin) doch nur für meine Ideen und Karriere auszubeuten?’ Antworten auf all diese Fragen und noch viel mehr zu finden, muß wohl das Ziel der Herausgeber Christoph Tannert und Ute Tischler vom Berliner Künstlerhaus Bethanien gewesen sein; schließlich ist ihnen doch ein gewisser Überblick eigen, da ihr Haus alljährlich das ‘International Curatorial Stipend’ vergibt. Soviel ist im Anhang der zweisprachigen (und deshalb so dicken) Publikation neben anderen Adressen für kuratorische, meist kostenpflichtige Zusatzerfahrungen und -ausbildungen zu erfahren. Und wer bekommt das erwähnte Stipendium (übrigens nur auf Einladung)? Jene mit „kuratorischer Berufserfahrung“. Wie schön: der Kreis schließt sich! Auch der internationale Kreis der am Buch Beteiligten und jene Hundertschaft, die mit individuellen Fragestellungen um Statements gebeten wurden (und nun in Handbuch-typischer alphabetischer Nennung erscheinen), ist recht geschlossen, die Auswahlkriterien eher undurchsichtig. Kritiker-Kuratoren, Künstler-Kuratoren, Kuratoren in nicht näher benannter Reinform und solche, die Museen leiten (also ehemalige freie Kuratoren) berichten aus der Praxis (Gerald Matt etwa über die Flugangst des globalisiert jettenden Kurators) oder beleuchten diese seit den 80er Jahren geradezu ausufernde Profession angesichts eines maroden Kunstsystems (Lovink/Schultz). Eine historische Betrachtung dieses Vermittlungsphänomens und seiner Spezifika gibt es indes kaum; wenig Außenpositionen – etwa eines Theoretikers bzw. Kunst-…

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