Titel: 49. Biennale von Venedig · von Amine Haase · S. 288
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

GREGOR SCHNEIDER:

Metaphern des Alltäglichen

„Man baut, was man nicht mehr kennen kann“

Ein Gespräch mit Gregor Schneider vor der Eröffnung vom „Toten Haus U R“ in Venedig

Wir sitzen im „Kaffeezimmer“, das Gregor Schneider von Rheydt, Unterheydener Straße 12, in den deutschen Biennale-Pavillon nach Venedig verpflanzt hat. Aus dem Rheydter „Haus u r“ wird in Venedig das „Tote Haus u r“. Drei Wochen vor der offiziellen Eröffnung ist so gut wie alles fertig in dem vom Niederrhein an die Adria transplantierten Haus – und natürlich ist nichts fertig. Es riecht so nach frischer Farbe, nach nicht getrocknetem Baumaterial, nach Tapezierkleister, nach gut erhaltenem Schimmelpilz, dass einem die Luft wegbleibt. Fenster lassen sich nicht öffnen, und wenn, würden sie nicht nach draußen führen. Die Türen sind fest verschlossen, damit kein Geräusch von außen in das Zimmer dringt – nur das weiße Rauschen der Gedanken, die sich beim Sprechen zu Worten formen. Das Tonband, groß wie ein Briefumschlag, findet kaum Platz auf dem Tisch zwischen Tassen, Tellern, Büchsen, Rest-Utensilien. Es läuft, und später beim Abhören könnte man meinen, sogar Herzklopfen zu vernehmen. Das Gespräch, quasi auf der Baustelle, in dem noch nicht fertigen „Toten Haus u r“ in Venedig, war ursprünglich nicht als Interview geplant, das in wörtlicher Rede gedruckt werden soll. Aber, da auch das Leben eine Baustelle ist, wo sich vieles sehr schnell ändern kann, haben wir uns für die Form des wörtlichen Interviews entschieden.

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Amine Haase: Gregor Schneider, vor ein paar Jahren haben Sie einmal gesagt, Sie träumten davon, das ganze „Haus u…

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