Ausstellungen: New York/Berlin/Mexico City · von Claudia Wahjudi · S. 280
Ausstellungen: New York/Berlin/Mexico City , 2002

CLAUDIA WAHJUDI

Mexico City

Eine Ausstellung über die Wechselkurse von Körpern und Werten
P.S.1, New York, 30.6. – 4.11.2002
Kunst-Werke, Berlin, 22.9.2002 – 5.1.2003
Museo de Arte Carillo Gil, Mexico City, vorauss. Anfang 2003

Die brutalste Arbeit setzt den Schlusspunkt. Im vierten Stock der Kunst-Werke, in der Ecke hinten links, flackert auf einem Monitor ein Gewehrlauf auf. Seine Mündung zielt aus einem Flugzeug auf nackte Menschen, die durchs Unterholz zu entkommen versuchen. Vergeblich. Wenig später schleifen Männer in Stiefeln die Toten durchs Gras.

Es soll sich um authentische Aufnahmen handeln. Sie zeigen Reiche, die im brasilianischen Urwald Jagd auf Indios machen. Der Künstler Ivan Edeza entdeckte den Amateurfilm in Mexiko-Stadt, in dem Schwarzmarkt-Viertel Tepito. Die Unschärfen der Schwarzweißbilder hat er so manipuliert, dass sie die Aufmerksamkeit des Betrachters ganz auf die wenigen klareren Szenen lenken, in denen sich das Verbrechen nun umso deutlicher erkennen lässt. Mord und Totschlag, Arm und Reich, informelle Ökonomie, Rassismus und ein Lateinamerika, dessen Geschichte für Europäer mit der gewaltsamen Kolonialisierung der Indígenas begann: In „…de Negocios y Placer“ (2002) finden die Themen von „Mexico City“ einen grausigen Höhepunkt. Gleichzeitig weist Edezas Arbeit auf die hauchdünne Grenze zwischen Dokumentation und Fiktion hin, wie sie sich durch eine Ausstellung ziehen muss, die Realität mit künstlerischen Mitteln spiegeln soll.

„Mexico City“ zeigt zeitgenössische Kunst aus der Megastadt. Die Ausstellung, die Kurator Klaus Biesenbach zuerst am New Yorker P.S. 1 präsentierte und die dann in die Berliner Kunst-Werke kam, handelt von Wirtschaft und Körpern, vom Preis des Überlebens in der 20-Millionen-Metropole sowie vom Wandel…

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