Monografie · von Jean-Christophe Ammann · S. 79
Monografie , 1975

Michael Buthe

Von Jean Christophe Ammann

Chronologisch könnte man das Werk von Michael Buthe in drei Situationen aufteilen: Räume – Geschichten – Reisen. Thematisch überlagern sich diese Situationen, gehen transparent ineinander über. Die Zeichnungen von 1967-69 sind fast alle imaginäre Grundrisse für räumliche Projekte oder sind ‚Entwürfe‘ für zerrissene Tücher; was sich immer als ‚autonomes‘ Werk, als unmittelbar in die Zeichnung übertragene Empfindungsdimension darstellt, ist – von der Ausgangssituation her gesehen – das Lokalisieren eines Beziehungsspiels, in welches jeweils die eigenen Erlebnisse, die ‚Geschichten‘ wie sie Michael Buthe nennt, hineinwirken. Linienverläufe sind unmittelbar Bewegung und Nachvollzug, sind sinnlich Erspürtes als Prozeß und Erinnerung; in die Zeichnung einbezogene Gegenstände sind provozierte ‚Störung‘ und bewußt Eigenständiges, die als Chiffre im und als Objekt Erlebtes zum Ausdruck bringen. Solange Michael Buthe im Bereich seines Ateliers lebte, bildete dieser auch seine Welt, und die vielen Menschen die ein und ausgingen waren deren Protagonisten. Die mit zärtlicher Aggressivität zerrissenen, später mit hartnäckiger Besessenheit genähten und eingefärbten Tücher sind eine im physischen und psychischen Einsatz geleistete Reise innerhalb des Materials selbst.

Der erste Marokko-Aufenthalt von 1970 bewirkt den Einbruch der Farbe. Damit sind die Weichen gestellt für eine ganz beträchtliche Veränderung des Erlebnis-Charakters, den das Werk von Michael Buthe beinhaltet. Die Reise bringt die räumliche Ausweitung, die Farbe transformiert die Zeichnung, tritt oft, unter Beibehaltung der Bedeutungsintensität, an ihre Stelle.

Das seit 1970 entstandene Werk steht nunmehr ausschließlich in Verbindung zu mehrmonatigen Aufenthalten in Afrika (Benin) und Persien.

Ein eruptives Form- und Farbbewußtsein verarbeitet simultan Sinneseindrücke unter gänzlich neuen Bedingungen.

‚Reise‘ wird…

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