Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S.
Ausstellungen: Köln , 1993

Jan van Eyck weilte im Auftrag seines Landesherrn in diplomatischer Mission am Hofe des portugiesischen Herrschers, während Bruder Hubert zu Hause am Genter Altar weiterarbeitete. Nach seiner Rückkehr steuerte Jan zur Vollendung des Werks Abbildungen von Pflanzen bei, die nur im mediterranen Raum wachsen und in Flandern bislang unbekannt waren. Bei Rubens können wir eine veränderte Behandlung des Lichts in den Bildern nach seiner Italienreise feststellen. Derlei kunstgeschichtliche Assoziationen drängen sich vordergründig bei Michael Buthes „Topographia“ auf. Doch mit seiner Reflexion der inspirativen Wirkung von Reisen und längeren Auslandsaufenthalten, und das heißt konkret: mit der Thematisierung einer Korrespondenz des Menschen als raumorientiertem Wesen mit seiner jeweiligen unmittelbaren landschaftlichen Umgebung, bezieht sich Buthe aber eigentlich weniger auf die kunsthistorische Tradition, einen erweiterten Erfahrungshorizont formal und ikonographisch zu verarbeiten, sondern vielmehr auf eine Gegenwart, deren wesentliches Merkmal im Alltag die Standardisierung ist.

Daß Buthes ästhetisches Konzept einer individuellen Mythologie durch mehrfache und längere Marokkoaufenthalte geprägt ist, daß der Kontakt zu orientalischen Riten und Kulten in eine märchenhaft-traumhafte Bildwelt mit einer opulenten, bisweilen orgiastischen Farbigkeit und ornamentalen Aufgliederung mündet, war und ist bekannt. In der Ausstellung „Topographia“ wird aber nun alles an einem Ort zusammengetragen, was in sehr differenzierter Weise in den ständigen Ateliers in Köln, auf Mallorca, in seiner westfälischen Heimatstadt Höxter oder auf einer Israelreise und in Tanger in Gouachen, Bilder, Skulpturen und Objekte eingeflossen ist.

Zwei reliefartig übereinandergelagerte Holzscheiben mit teils blau bemalten, teils in natürlicher Ockerfarbe belassenen aufgeklebten Steinen enthalten Buthes Deutung des Himmels über Köln: ein Spiralnebel mit hellen Punktstrukturen…

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