Titel: Afrika - Iwalewa , 1993

Mickaël Bethe-Sélassié

Meine Arbeiten sind nicht wirklich religiös zu nennen, auch wenn ich mir wünsche, daß sie Glücksbringer sein mögen. Schöpferisch zu arbeiten ist für mich wie eine innere Sammlung, und Zeitungen wiederzuverwerten hat etwas Ökologisches. M. Bethe-Sélassié

Wenn man das Werk eines Künstlers betrachtet, sucht man immer zu verstehen, „worauf er damit abzielen will“, anders gesagt, wohin er geht und woher er kommt. Aber womöglich weiß er es selber nicht. Was er uns vermitteln will, ist voll und ganz in seinem Werk vorhanden, sei es klar ausgedrückt, diskursiv oder gar geschwätzig; sei es verborgen, knapp und nach Entschlüsselung verlangend. Da es sich um einen äthiopischen Künstler handelt, sind immer beide Lesarten möglich: Die eine ist einfach und offensichtlich und nicht sehr tiefgründig, die andere führt uns zu Entdeckungen, ist esoterisch und reich an subtilen und starken Ausblicken. Für die Äthiopier ist dies ein sehr geschätztes Element ihrer eigenen Rhetorik, das sie als „Wachs und Gold“ bezeichnen.

Neu in unserer zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist, daß der äthiopische Künstler vollständig mit dem traditionellen Kanon bricht: Die äthiopische Kunst ist keine simple Wiedergabe mehr, bei der der Künstler seine Persönlichkeit nur in den Details ausdrücken konnte. Er hat sich von der Vorlage gelöst, er läßt sich auf Abenteuer ein.

Dies ist der Fall bei Mickaël Bethe-Sélassié, dessen Werk überraschen und sogar schockieren mag. Es ist gleichzeitig Malerei und Skulptur, eine dreidimensionale Polychromie, modern durch ihre Vehemenz. Man kann sie in der Nähe der naiven Malerei und vor allem der Art Brut ansiedeln, das Wesentliche…

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von Joseph Tubiana

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