Titel: Realkunst - Realitätskunst , 1987

Modelle

»Insofern eine Theorie nie vollständig ‚richtig‘ ist, können wir sie auch als Modell der Erfahrungswirklichkeit bezeichnen. Aber kein Modell wird alle Eigenschaften der dargestellten Wirklichkeit haben. Das Modell ist nur Modell in bezug auf bestimmte Eigenschaften und Relationen.«
Gerhard Frey, 1967

Modelle in den Realitätskünsten bilden Eigenschaften und Relationen des Realen ab. Sowohl der Begriff der ‚Eigenschaft‘ als auch der der ‚Relation‘ muß hier enger bestimmt werden, um das Modell von den Situationen abzusetzen. Die Eigenschaft, als ‚Alltagsgegenstand‘ zu erscheinen, ließe die Situation auch als Modell verstehen. ‚Modell‘ soll in diesem Zusammenhang die Abbildung, das Zitat von Strukturierungen der Alltagswirklichkeit bezeichnen. Der Systembegriff läge nahe, wäre er nicht besetzt durch die Kategorie ‚Real-Ort- und Real-Zeit-System‘. Modelle sollen hier als Abbildung oder Konstruktion von Organisationsstrukturen verstanden werden. Diese Strukturen reichen von denen eines Büros (Büro Berlin) bis zum Verlag ( Meter Verlag). Da die Strukturen in Funktion arbeiten, läßt sich die Kopie nicht mehr vom Original unterscheiden, höchstens noch am bearbeiteten Material. ‚Künstlerfirmen‘ bringen diese Ambiguität auf den Begriff. Organisationsstrukturen und Vermittlungsstrategien wie die der ‚Artist Placement Group‘ oder der ‚Art Service Association‘ verstehen sich darin, ohne zur Vorführung von Organisationstechniken zu werden und in diesem Sinn Modellcharakter zu haben. Der Begriff des Modells soll die Ambiguität zwischen Erscheinung und Kopie bezeichnen. Die Grenzen bleiben fließend.
Thomas Wulffen

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