Ausstellungen: Köln · von Martin Seidel · S. 329
Ausstellungen: Köln , 2008

Martin Seidel

Mondrian. Vom Abbild zum Bild

Museum Ludwig, Köln, 14.12.2007 – 30.3.2008

Letzte Dinge stellt sich jeder wahrscheinlich auf seine Weise vor. Als formloses Gebrabbel, als ungestaltete Materie, als totales Licht oder totale Finsternis. Schwarze Löcher, graue Meeresstrudel. Als Variante dazu: Hieronymus Boschs rotglühende Höllendarstellung, Caspar David Friedrichs Mönch im Niemandsland der Elemente oder die luftig versöhnliche Paradiesespforte, mit der Johann Baptist Zimmermann im Rokoko-Illusionismus die Decke der Wieskirche durchbrach. Die Moderne liefert pathosfreie Bilder. Bei letzten Dingen denkt man an Kasimir Malewitschs „Schwarzes Quadrat“, an Ad Reinhards als „letzte Bilder“ gedachte „Black Paintings“. Piet Mondrian kommt einem nicht gleich in den Sinn. Doch auch sein Neoplastizismus genannter Konstruktivismus stößt zum Letztendlichen der Kunst und des Lebens vor.

Die roten, blauen, gelben und weißen bis grauen rechteckigen Farbflächen und schwarzen Linien sind das allseits bekannte Markenzeichen des 1872 in Amersfoort geboren Künstlers. Perfekt ausbalancierte Linien, Farben und Flächen sind die Grundlage seines abstrakten Schönheitsideals, das keine gegenständliche Reminiszenz, kein subjektiver Ausdruck, kein persönliches Empfinden trübt. Die Reinheit dieser durch und durch rationalen Harmonie ist vergeistigt und hat dennoch die Affinität zu Design, Mode und Werbung, die ihr die immense Popularität verschafft.

Die einem genialen musealen Deal zwischen dem Museum Ludwig und dem Gemeentemuseum Den Haag zu verdankende Piet-Mondrian-Schau in Köln (das Den Haager Museum präsentiert im Gegenzug die große Kölner Picasso-Sammlung) vollzieht Mondrians grandiose Entwicklung in großen Schritten nach. Dabei steuert die durch Zwischenwände in vier Abschnitte gegliederte Ausstellung in einem großen Spannungsbogen auf den finalen Akt mit Mondrian als Meister gemalter Ordnung und…

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