Ausstellungen: Hamburg , 2013

Hajo Schiff

Motoi Yamamoto

»Floating Garden«

Ernst Barlach Haus, Hamburg, 1.9. – 13.10.2013

Japanische Restaurants legen oft vor der Tür kleine Salzhäufchen aus. Das soll Glück und gute Geschäfte bringen. Ganz praktisch ist dieses über tausend Jahre alte Ritual einst entstanden, um Reittiere oder Zugtiere der Kutschen einer reichen Kundschaft anzulocken. Im Hamburger Jenisch-Park locken zur Zeit 125 Kilo Salz auf 140 Quadratmetern die Museumsbesucher: Wie schon 2005 und 2009 in der Hamburger Galerie von Mikiko Sato und 2010 in St. Peter in Köln hat Motoi Yamammoto dort eine neue große Bodenarbeit gestreut. Vielleicht ist das, was er aus dem einfachen Kochsalz macht, besser als performative Handzeichnung zu bezeichnen. Im Schneidersitz hockt der der japanische Künstler auf einer dünnen Matte am Boden und formt dort in zehntägiger Arbeit weiße Linien. Sein Werkzeug dabei ist eine kleine Flasche mit dünner Spitze, der die Salzkristalle entfließen, so wie Tinte einem Schreibgerät. Obwohl Motoi seine Arbeit eher mit Häkeln vergleicht, ist auch der Gedanke an eine große Kalligraphie nicht abwegig.

Motoi Yamamoto ist 1966 in Hiroshima geboren. Befragt, wie dieser Ort sein Werk beeinflusst, spricht er so wie jeder von seiner Heimat, erzählt von der Landschaft an der großen Bucht, in die sieben Flussarme fließen und dass einige seiner kartenähnlichen Schüttungen das auch thematisieren. Vom mit dem Namen untrennbar verbundenen Atombombenabwurf spricht er nicht. Motois Familie war nicht direkt davon betroffen. Seine Trauerarbeit ist individueller. Sie ist auf den Verlust seiner jüngeren Schwester bezogen. Denn, was sich dem unbefangenen Betrachter kaum mitteilt, Motoi versteht seine tagelange Arbeit an…

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