Gespräche mit Künstlern , 1996

Ilya Kabakov / Vladimir Tarasov

Musik auf dem Wasser

Dauerinstallation, Performance und Ausstellung im Schleswig-Holsteinischen Landeskulturzentrum Salzau

Zwei Gespräche von Jens Rönnau

Die Gespräche fanden statt in Salzau am 9. März 1996 anläßlich der Einweihung der Dauerinstallation „Musik auf dem Wasser“, der Performance „Die Gemeinschaftsküche“ mit Ilya Kabakov, Emilia Kabakov und Vladimir Tarasov sowie der Ausstellungseröffnung mit Alben und Büchern von Ilya Kabakov (bis 23.6.96).

Komponente 1: Der Alltag / »Die Gemeinschaftsküche«

Ein zentraler Ort des inzwischen weltgereisten Ilya Kabakov scheint immer noch die geliebt-gehaßte Gemeinschaftsküche russischer Kollektivwohnungen zu sein – zumindest in seiner Kunst. Kabakov, seine Frau Emilia und Musikerfreund Vladimir Tarasov gaben das in der poetisch-skurrilen Performance „Die Gemeinschaftsküche“ oder „Olga Georgievna, something is burning“ zum besten: Auf eine Leinwand werden Fotos russischer Küchen und Korridore projiziert. Links und rechts davon sitzen Ilya und Emilia, lesen unzusammenhängende Satzfragmente. Sie: „Ich mag’s nicht, wenn das Kraut zerkocht. … und man darf nichts sagen, weil sie sonst eingeschnappt sind …“ Er: “ … ein verrücktes Leben, manchmal möchte ich alles hinschmeißen und irgendwohin fahren.“ Sie: „Ich fahre nicht gern mit der S-Bahn …“ Er:“ Ich hab‘ Auberginen gekauft und will versuchen daraus Kaviar zu machen.“ … und so weiter.

Die Worte werden auf russisch gegeneinander gesprochen, Übersetzungen können als Projektionen mitgelesen werden. Dazu spielt im Hintergrund Tarasov das Schlagzeug nebst Kochtopfdeckeln und anderem Küchengerät in seiner ihm eigenen Art. Tschaikowsky-Klänge und Propagandamusik zum Sowjet-Sozialismus kommen vom Band dazu. Es ist eine sarkastisch-karikierende Auseinandersetzung mit gelebter Vergangenheit der Künstler. Sie wurde am 9. März 1996 als Performance im…

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