Ausstellungen: München · S. 234
Ausstellungen: München , 1988

Heinz Schütz

Mythos Italien -Wintermärchen Deutschland

Die italienische Moderne und ihr Dialog mit Deutschland
Haus der Kunst, 24.3. – 29.5.1988

Bereits der Ausstellungstitel ist imstande historisch waches Denken zu verwirren: „Wintermärchen Deutschland“ paraphrasiert Heinrich Heines Abrechnung mit dem Deutschland des Vormärz; der „Mythos Italien“ bewegte im vorigen Jahrhundert insbesondere die Nazarener und Deutsch-Römer. Lassen sich, so fragt man, „Topoi“ des 19. auf die Kunst des 20. Jahrhunderts übertragen? Die Verwirrung setzt sich im Rundgang durch die Ausstellung fort: Kunsthistorischer Ehrgeiz wagt sich daran, nicht nur die italienische Moderne in ihrer Gesamtheit, sondern darüberhinaus ihnen „Dialog mit Deutschland“ darzustellen. Konkreter: Die einzelnen Abteilungen, deren Aufzählung sich liest wie das Inhaltsverzeichnis eines Kunstlehrbuches – „Futurismus“, „Pittura Metafisica“, „Die zwanziger Jahre und danach“… – sind durchsetzt mit Bildern deutscher „Parallelentwicklungen“. Allerdings gelingt es weder qua Hängung, noch qua Ausstellungsarchitektur, den Leitfaden des „Dialoges“ herauszukristallisieren. Als besonders markant empfundene und im Katalog zitierte Bildbeispiele sind nicht ausgestellt. Alles läßt sich mit allem vergleichen. Nur der Griff zum Katalog kann den Sinn der Ausstellung enthüllen.

Hier nun im Katalog, in dem weniger Autoren und dafür eine durch gängige Perspektive sicherlich mehr gewesen wäre, zeichnen sich zwei Leitlinien ab: zum einen ein phänotypischer Vergleich unter dem Gesichtspunkt nationaler Eigentümlichkeiten – wiederum tritt die sanfte Neigung zum 19. Jahrhundert zu Tage -, zum anderen der reale Gang der Kunstgeschichte mit Schwerpunkt auf der Rezeption italienischer Kunst in Deutschland und – wenn auch nur andeutungsweise – deutsche Kunst in Italien. Als entscheidende deutschitalienische Berührungspunkte seien erwähnt: 1912 die Futuristen-Ausstellung in Berlin, Köln,…

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