Nachrichtenforum , 2018

Nachrichten

Museen

Für vier Kulturgebäude in Berlin ist in diesem Jahr die Schlüsselübergabe mit Tagen der offenen Tür und 2019 dann die offizielle Eröffnung vorgesehen: Das Ausweichquartier für das Pergamonmuseum wird am Kupfergraben als temporärer Showroom errichtet und soll dann dort etwa 15 Jahre lang stehen bleiben. Das 17 Mill. Euro teure Gebäude will man „kostenneutral“ über Eintrittsgelder mit 19 Euro pro Ticket finanzieren: dem privatwirtschaftlichen Baupartner Wolff Gruppe Holding GmbH fließen die Einnahmen bis zur „schwarzen Null“ zu, alle darüber hinaus gehenden Erlöse darf hingegen die Stiftung Preußischer Kulturbesitz für sich verbuchen. Als Hauptattraktion werden in dem Ausweichbau Teile des Pergamon-Altars zu sehen sein. Der erste Teilabschnitt der Sanierung des Stammhauses dauert noch bis 2023. Mit gut sechs Jahren Verzögerung wegen Pfusch am Bau und Problemen bei der Absicherung des Fundaments wird in Kürze auch die James Simon Galerie als zentraler Eingang zur Museumsinsel fertig und in der ersten Jahreshälfte 2019 öffentlich zugänglich sein. Firmenpleiten und Kostensteigerungen begleiteten auch die Gesamtsanierung der Staatsbibliothek Unter den Linden mit einem Bestand von 11 Mill. Büchern. Um das Haus Bastian als Bildungszentrum nutzen zu können, sind nur wenige bauliche Veränderungen nötig, die Übergabe erfolgt in der zweiten Jahreshälfte 2018.

2019 hat Jonathan Meese als Kurator einen Museumsauftritt im Dortmunder U. Seine Ausstellung „Keine Angst wird am 4. Oktober 2019 eröffnet und ist dann ein Jahr lang zu sehen. Dabei verbindet Meese eigene Werke mit dem Sammlungsbestand des Museums am Ostwall. Dazu arbeiten Jonathan Meese und sein Team derzeit an einem Konzept. Auch für Jonathan Meese ist es das erste Mal, dass er sich als Kurator mit einer Museumssammlung beschäftigt. Bei einem ersten Besuch in Dortmund in der vergangenen Woche hatten es ihm besonders die Expressionisten angetan, die in der aktuellen Ausstellung „Fast wie im echten Leben“ auf den Ebenen 4 und 5 im Dortmunder U zu sehen sind. Er ist der erste Künstler, der eingeladen wurde, sich mit der Dortmunder Sammlung auseinander zu setzen.

Das VEB Kombinat Robotron war bis zu seiner Auflösung 1990 der größte Computerhersteller der DDR. Auf dem ehemaligen Dresdner Firmengelände soll nach Plänen des Architekten Peter Kulka bis 2025 ein neues Stadtviertel entstehen. Die Betriebsgaststätte aus dem Jahr 1972 soll als Beispiel moderner Baukunst in der DDR erhalten bleiben; in der Diskussion ist eine Umwidmung als Ausstellungshaus für deutsche Kunstgeschichte vor und nach der Wende 1989/90. Die Idee findet unter Dresdner Kulturschaffenden und -vermittlern breite Unterstützung. Der Umbau zu Ausstellungszwecken wird mit 14,5 Mill. Euro kalkuliert.

Bis 2025 wird das Deutsche Museum München einer umfassenden Modernisierung unterzogen. Das ist dringend notwendig, denn in den vergangenen 90 Jahren wurde das Gebäude „nie grundlegend renoviert“. Bis 2020 sind daher einige Bereiche wie „Raumfahrt“ und „Robotik“ geschlossen, doch während der Umbauphase ist zu jederzeit „mindestens die Hälfte der Ausstellungsfläche“ für Besucher zugänglich. Das sind immerhin 25.000 qm oder 9 km Fußweg durch alle Ausstellungssäle. Der erste Bauabschnitt soll im Mai 2020 abgeschlossen sein; dann wird auch die Luftfahrtausstellung wiedereröffnet. Gebaut wird in den kommenden Jahren nicht nur eine Dichtwand zum Schutz vor Hochwasser der Isar und an der Erneuerung des Rohbaus, sondern auch die Ausstellungen müssen völlig neu konzipiert werden: Denn die Roboter, die vor zwei oder drei Jahren noch dem neuesten Stand der Technik entsprachen, werden 2025 völlig veraltet sein. Insgesamt sind 455 Mill. Euro an Kosten für die Modernisierung kalkuliert.

Dieter und Si Rosenkranz schenkten der Stiftung Jüdisches Museum Berlin die begehbare Installation „Ganzfeld Aural“ des Künstlers James Turrell. „In dieser Installation gewinnt man den Eindruck, in einen überirdischen Raum zu treten, dessen Konstruktion die empirische Welt außer Kraft zu setzen scheint. Diese Erfahrung kann als eine der spektakulärsten künstlerischen Interpretationen der Erschaffung des Lichts – und damit Teil des göttlichen Schöpfungsakts – angesehen werden“. Die mehr als 200 qm große Arbeit ist bis zum 30. September 2019 in einem temporären Bau im Museumsgarten zugänglich.

Knapp zwanzig Jahre nach seiner Eröffnung im Jahre 1919 muss das Museum Moderner Kunst Frankfurt ab 2020 einer Generalsanierung unterzogen werden. Im Stammhaus bestehen „grundlegende Mängel bei Brandschutz, Klimatechnik, Heizung und anderen technischen Anlagen“, die mit einem zweistelligen Millionenaufwand behoben werden müssen. Erforderlich ist eine komplette Schließung von 1 – 2 Jahren. Das Museum Moderner Kunst bespielt in Frankfurt drei Standorte, neben dem Stammhaus Ecke Domstraße/Braubachstraße noch das MMK 2 im Taunusturm und das MMK 3 im ehemaligen Hauptzollamt.

Max Uhlig schenkt der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen den überwiegenden Teil seines künstlerischen Lebenswerks, um es für die Öffentlichkeit zu sichern. Der künstlerische Vorlass des 80jährigen Malers und Grafikers umfasst rund 15.000 Kunstwerke aller Gattungen von den späten 1950er Jahren bis in die Gegenwart, eine Katalogbibliothek, Möbel, Erinnerungsstücke und persönlicher Dokumente. Das Wohn- und Atelierhaus auf dem ehemaligen Gelände einer chemischen Fabrik ist ebenfalls Teil der Schenkung. Es soll künftig als internationale Künstlerresidenz genutzt werden.

Das Landesmuseum Oldenburg übernimmt als Dauerleihgabe den Nachlass des Bauhauskünstlers Hin Bredendieck (1904 – 1905). Der bislang von der Forschung noch nicht erfasste Bestand umfasst Briefwechsel und Notizen, Fotografien, Entwürfe und Skizzen, die bei den Nachfahren Bredendiecks in Irland aufbewahrt wurden. 1937 emigrierte er in die USA und nahm einen Lehrauftrag am New Bauhaus in Chicago an.

Christian und Sabine DuMont Schütte schenkten dem Museum Ludwig in Köln das Werk „Cologne of the Magreb (Bodyphilia Song) – 2017 Verion/(Michael Buthe, untitled, 1984)“. des japanischen Künstlers Ei Arakawa. Es entstand im Anschluss an seine Beteiligung an der Jubiläumsausstellung „Wir nennen es Ludwig“ 2016 und befasst sich mit dem 1994 verstorbenen Kölner Michael Buthe. Zusammen mit Dan Poston schuf Ei Arakawa aus Gesprächen mit Zeitzeugen ein Lied, das jetzt neu vertont und eingespielt wurde.

Kulturpolitik

Auf den Cambridge Analytica-Facebook-Skandal reagierte der Künstler und Kurator Jeremy Deller, Turner Prize-Träger des Jahres 2004 und Teilnehmer an der Biennale von Venedig 2013, in London und Liverpool mit einer Poster-Kampagne „How to leave Facebook“. Auf den Plakaten wird erklärt, wie man das soziale Netzwerk in sechs Schritten verlassen kann. Damit wehrt sich der Künstler gegen die Praxis des britischen Unternehmens Cambridge Analytica, das sich unerlaubt Zugriff auf die Profile von 50 Mill. Facebook-Nutzern verschafft hatte, um mit der Auswertung privater Daten eine Kampagne für Wahlkampf von Donald Trump zu entwickeln.

Frédéric Durand, französischer Lehrer, scheiterte mit einer Zensurklage gegen Facebook. Der Lehrer hatte 2011 die Abbildung eines Gemäldes von Gustave Courbet „L’Origine du monde“ („Der Ursprung der Welt“, 1866) mit einem liegenden Frauenakt und deutlicher Wiedergabe des Genitalbereichs gepostet. Facebook hatte daraufhin das Nutzerkonto Durands gesperrt, da nach den Nutzerregeln des Jahres 2011 die Darstellung von Nacktheit tabu sei. Durands Anwalt führte hingegen aus, das Bild gehöre zu „Frankreichs Kulturerbe“. Auch das berühmte Gemälde „Die Freiheit führt das Volk“ von Eugène Delacroix (1830) fiel wegen einer nackten weiblichen Brust schon eine Viertelstunde nach dem Posting durch den Theaterregisseur Jocelyn Fiorina der Facebook-Zensur zum Opfer. Inzwischen lasse Facebook jedoch Nacktheit in solch kunsthistorischen Abbildungen zu, heißt es. Eine Schadenersatzklage des Lehrers in Höhe von 20.000 Euro wies ein französisches Gericht nach jahrelangem Rechtstreit ab, denn es sei nicht erwiesen, dass sein Konto nur aufgrund des Postings gelöscht wurde; zudem sei dem Kläger kein großer Schaden entstanden, da er ohne weiteres ein neues Konto hätte einrichten können.

Das Berliner Holocaust-Mahnmal ist ein Kunstwerk, und dies gilt nicht nur für das Original „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ von Peter Eisenman, das 2005 eingeweiht wurde, sondern auch für die Parodie in einer verkleinerten Version mit nur 24 Stelen, die das Zentrum für politische Schönheit 2017 in Bornhagen auf dem Nachbargrundstück des AfD-Politikers Björn Höcke errichtete. So urteilte jedenfalls das Landgericht Köln und wies eine Klage Höckes ab: Schon die „Idee als solche“, einem Kritiker des Berliner Mahnmals wie Höcke „gerade das Abbild eines solchen“ quasi „vor die Nase zu setzen“, sei durch das Grundrecht der Kunstfreiheit geschützt und daher „aus künstlerspezifischer Sicht und aufgrund des dadurch ausgehenden Wirkbereichs als Kunst … anzusehen“. Das Gericht bescheinigte den Zentrum-Aktivisten, es spräche „viel dafür“, dass ihre Darstellung des Denkmals „schon das geformte Ergebnis einer freien schöpferischen Gestaltung ist und aufgrund der klassischen künstlerischen Darstellungsform schon Kunst darstellt.“ Höcke, der in seiner Dresdner Rede das Berliner Mahnmal angegriffen hatte, fühlte sich in seiner Privatsphäre verletzt und wollte mit der Klage gegen die Verbreitung von Bildern im Internet vorgehen; doch nach diesem Urteil darf das Zentrum für politische Schönheit weiterhin Videos von seiner Kunstaktion veröffentlichen. Nur Aufnahmen, auf denen Höcke selbst z. B. am Fenster seines Hauses zu sehen wäre, dürfen nicht verbreitet werden.

„Radialsystem“ hießen die zwölf Berliner Pumpwerke, die im 19. Jh. zum Ableiten von Abwasser gebaut wurden. Das „Radialsystem V“ ist seit 2006 ein Konzerthaus, begründet von dem Tanzkompagniepromotor Jochen Sandig und dem Dramaturgen für Alte Musik Folkert Uhde. Käufer der Immobilie war ein Privatmann aus dem Ruhrgebiet, die „Radialsystem V“-Künstler waren Mieter. „Viel Tanz, viel Barockes und zeitgenössische Musik, weniger das klassisch-romantische Repertoire dazwischen… Das Hybride ist Konzept, die Künste sollen sich auf Augenhöhe begegnen, keine die andere dominieren“, beschreibt der „Tagesspiegel“ die Programmstruktur. Allerdings sei dieses Kulturhaus seit seiner Gründung „immer auch von Verdrängung bedroht in einem sich rapide gentrifizierenden städtischen Umfeld.“ Daher kündigte Berlins Kultursenator Klaus Lederer an, das Land Berlin wolle das Areal nun übernehmen, um den Standort für kulturelle Zwecke dauerhaft zu sichern. In der Presse wird ein Kaufpreis 14,4 Mill. Euro genannt, aber offiziell nicht bestätigt. Dieser Preis sei jetzt siebenmal so hoch wie der Erlös, den die Berliner Wasserwerke 2004 beim Verkauf an den Privatmann erzielten.

Bereits 2007 beschloss der Deutsche Bundestag, in Berlin ein Denkmal für die friedliche Revolution in der DDR 1989 und die deutsche Wiedervereinigung 1990 zu errichten. 2013 sollte mit dem Bau begonnen werden, doch wegen schützenswerter Fledermäuse und dem Fund wertvoller Mosaike kam es immer wieder zu Verzögerungen; und wegen einer Verteuerung des Projekts stoppte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages das Vorhaben vorübergehend. Nun aber soll nach dem Entwurf des Stuttgarter Architekten das Denkmal in Form einer „Einheitswippe“ zum 30. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November 2019 eingeweiht werden. Das Land Berlin und der Bund einigten sich inzwischen auf den Verkaufspreis für das Grundstück, der nach inoffiziellen Berichten „deutlich unter einer Million Euro“ liegen soll.

Hochschulen

Ed Atkins trat zum Sommersemester 2018 eine Gastprofessur an der Kunstakademie Münster an. Seine Lehrveranstaltung teilt sich in ein Seminar und ein Kolloquium auf. Sie findet zum Teil in Münster, aber auch direkt in seinem Atelier in Berlin statt. Thematisch geht es um eine „inhaltliche und medienspezifische Betrachtung des Themas „Loss“ (Verlust).

Gabi Schillig ist ab dem jetzigen Sommersemester 2018 neue Professorin für Raumbezogenes Entwerfen und Ausstellungsgestaltung an der Universität der Künste Berlin. Dorthin wechselte sie aus Düsseldorf, wo sie an der Hochschule im Fachbereich Design tätig war. „In ihren Arbeiten und in der Lehre verfolgt Gabi Schillig zeitgenössische und zukunftsorientierte architektonische und gestalterische Ansätze, die von der Räumlichkeit sozialer und physischer Prozesse ausgehen. Material, Körper und Kommunikation stehen im Zentrum eines experimentellen, sowohl digitale als auch analoge Ebenen und Methoden einbeziehenden Gestaltungsprozesses.“

Ellen Blumenstein trat zum aktuellen Sommersemester 2018 die Gastprofessur für „Theorie und Praxis des Ausstellens“ an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg an. Die studierte Literatur-, Musik- und Kommunikationswissenschaftlerin ist seit 20 Jahren im Bereich zeitgenössischer Kunst tätig. Seit August 2017 baut Ellen Blumenstein als Kuratorin der HafenCity Hamburg ein Kulturprogramm im größten Stadtentwicklungsprojekt Europas auf. Blumenstein unterrichtet ebenfalls an der Arktischen Universität Tromsö (Norwegen).

Die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK Stuttgart) erweitert ihr Studienangebot um den kunstpraktischen Masterstudiengang „Körper, Theorie und Poetik des Performativen“ (KTPP). Der Studiengang bietet eine vertiefte Ausarbeitung künstlerischer Positionen im Bereich des Performativen und kann ab dem Wintersemester 2018/2019 unter der Leitung von Prof. Dr. Cristina Gómez Barrio, Prof. Wolfgang Mayer und Prof. Dr. Felix Ensslin absolviert werden. Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester; abgeschlossen wird das Studium mit dem Master of Fine Arts (M.F.A.). Der zweisprachige Studiengang (dt./engl.) richtet sich an Interessierte mit einem kunstpraktischen Studienabschluss wie beispielsweise einem Bachelor of Fine Arts oder Diplom in Bildender Kunst. Bewerbungsschluss ist der 15. Juni 2018. Infos: .

Die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) führt bis zum 4. Juni 2918 die Veranstaltungsreihe Revistung Black Montain College durch. Studenten und Dozenten experimentieren in Workshops, Performances Ausstellungen etc. mit „zukünftigen Formen des Lernens“. Die rund 40 Veranstaltungen beziehen sich auf das Black Montain College, das von 1933 bis 1967 in Ashville/ North Carolina ein führendes Institut in Sachen interdiszolinärer Kunstausbildung war. Hier hatten viele Bauhaus-Künstler, die in den 1930er Jahren aus Deutschland emigrieren mussten, eine Anlaufstelle. Zu den Dozenten am Black Mountain Collge gehörten u. a. Anni und Josef Albers, John Cage, Robert Motherwell, Richard Buckminster Fuller, Walter Gropius und Cy Twombly; Albert Einstein war dort Gastdozent. Parallel zu den Hochschulveranstaltungen zeigt das Museum für Gestaltung Zürich im Toni-Areal eine Ausstellung zur Geschichte des Black Mountain Colleges.

Wer als Künstler zu Lebzeiten nicht sonderlich erfolgreich ist, der befürchtet oft, nach seinem Ableben könnten missratene Erben den künstlerischen Nachlass dem Flohmarkt oder antworten oder achtlos auf dem Dachspeicher verstauben lassen. Öffentliche Künstlerarchive nehmen in der Regel nur nach sehr strengen Auswahlkriterien Künstlernachlässe auf. Wie steuerlich mit dem Erbe umzugehen ist, und wie dieses im öffentlichen Kunstbetrieb weiter gepflegt werden kann, überfordert die Erben oftmals aus Unkenntnis. Äußerst sinnvoll ist daher der Workshop, den das Berlin Career College an der Universität der Künste Berlin vom 21. bis zum 23. Juni 2018 zum Thema Kunst I Werk I Nachlass gestalten. pflegen. bewahren durchführt.

Biennalen

Gabi Ngcobo ist Kuratorin der 10. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst. Zu ihrem Team gehören Nomaduma Rosa Masilela, Yvette Mutumba, Thiago de Paula Souza und Moses Serubiri. Unter dem Titel We don’t need another hero präsentiert sie vom 09.06. bis zum 09.09.2018 Arbeiten von: Agnieszka Brzeżańska, Ana Mendieta, Basir Mahmood, Belkis Ayón, Cinthia Marcelle, Dineo Seshee Bopape, Elsa M’bala, Emma Wolukau-Wanambwa, Fabiana Faleiros, Firelei Báez, Gabisile Nkosi, Grada Kilomba, Heba Y. Amin, Herman Mbamba, Joanna Piotrowska, Johanna Unzueta, Julia Phillips, Keleketla! Library, Las Nietas de Nonó, Liz Johnson Artur, Lorena Gutiérrez Camejo, Lubaina Himid, Luke Willis Thompson, Lydia Hamann & Kaj Osteroth, Lynette Yiadom-Boakye, Mario Pfeifer, Mildred Thompson, Mimi Cherono Ng’ok, Minia Biabiany, Moshekwa Langa, Natasha A. Kelly, Okwui Okpokwasili, Oscar Murillo, Özlem Altın, Patricia Belli, Portia Zvavahera, Sam Samiee, Sara Haq, Simone Leigh, Sinethemba Twalo und Jabu Arnell, Sondra Perry, Tessa Mars, Thierry Oussou, Tony Cokes, Tony Cruz Pabón und Zuleikha Chaudhari. Die vier permanenten Austragungsorte sind die Akademie der Künste am Hanseatenweg, KW Institute for Contemporary Art, Volksbühne Pavillon und ZK/U – Zentrum für Kunst und Urbanistik. In Koproduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer finden im HAU2 zwei Performances statt. Im Rahmen des öffentlichen Programms „I’m not who you think I’m not“ werden hier an diesen Orten diverse Veranstaltungen ausgerichtet.

Die Manifesta 12 (16.06. bis 04.11.2018 in Palermo, Italien) gibt 10 Teilnehmer und 6 der Veranstaltungsorte bekannt. Unter den Teilnehmern ist die brasilianische Künstlerin Maria Thereza Alves, mit einer Installation am Palazzo Butera; der nigerianische Multimedia- und Performancekünstler Jelili Atiku, mit einer Prozession durch die Straßen Palermos am 15. Juni; der französische Landschaftsarchitekt und Philosoph Gilles Clément, der mit dem Design Studio Coloco zusammenarbeiten und einen urbanen Garten im Zen Distrikt Palermos gestalten wird. Außerdem dabei sind das Kollektiv Cooking Sections, der irische Computer-Grafik Künstler John Gerrard, der schweizer Künstler Uriel Orlow, der künstlerische Leiter der Riwaq Biennale, Khalil Rabah, das belgische Architekten-Kollektiv Rotor und schließlich die beiden italienischen Künstler Mrinella Senatore und Giorgio Vasta. Neu bekanntgegebene Veranstaltungsorte sind: Zen (Zona Espansione Nord), Pizzo Sella, Palazzo Forcella De Seta, Palazzo Ajutamicristo, Palazzo Costantino, und die Casa del Mutilato. Zuvor waren bereits das Teatro Garibaldi, Orto Botanico, Piazza Magione, Chiesa di SS. Euno e Giuliano, und der Palazzo Butera bestätigt worden. Die europäische Wanderbiennale findet unter der Regie des Rotterdamer Architekturbüros OMA statt. Die Creative Mediators sind Bregtje van der Haak, Andrés Jaque, Ippolito Pestellini Laparelli und Mirjam Varadinis.

Die Biennale von Sao Paulo (07.09. – 09.12.2018) wird seit 1951 abgehalten und ist damit nach der Biennale von Venedig die zweitälteste und zweitgrößte Kunstbiennale der Welt. Beide Biennalen haben 2009 eine Partnerschaft vereinbart. Seit 1957 hat die brasilianische Biennale ihren festen Standort im Ciccillo Matarazzo Pavillon (Pavilhão Ciccillo Matarazzo) im Parque do Ibirapuera. Der große Biennale-Pavillon wurde seinerzeit von einem Architektenteam unter der Führung von Oscar Niemeyer und Hélio Uchôa gestaltet und umfasst eine Ausstellungsfläche von 30.000 qm. Nach dem Vorbild Venedigs gibt es hier eine zentrale Ausstellung zu sehen, während parallel dazu Länderkuratoren die jeweiligen nationalen Beiträge betreuen. Der Eintritt ist frei, was bislang noch jeder dieser Biennalen hohe Besucherzahlen beschert hat. Kurator der Biennale 2018 ist Gabriel Pérez-Barreiro, Direktor des Colección Patricia Phelps de Cisneros mit Büros in New York und Caracas. Mit seiner mehr als zwanzigjährigen Berufserfahrung gilt er als Experte für lateinamerikanische Kunst.

Die internationale Triennale RAY Fotografieprojekte Frankfurt/RheinMain wird vom 24.09. – 09.09.2018 ausgerichtet. Nach den ersten beiden Veranstaltungen RAY 2012 und RAY 2015 „vereinen sich zum dritten Mal die besonderen Qualitäten der hier vertretenen Sammlungen und Institutionen.“ Die Kooperation stellt das „Potenzial für zeitgenössische Fotografie sowie verwandter Medien in Sammlungen, Ausstellungs- und Ausbildungseinrichtungen der Region heraus und wird auch wieder aktuelle Neuproduktionen zeigen“. Eröffnet wird RAY 2018 erstmalig mit einem internationalen Festivalprogramm. Das Triennale-Thema lautet diesmal „Extreme“. Das Kuratorenteam besteht aus Anne-Marie Beckmann (Deutsche Börse Photography Foundation), Peter Gorschlüter (MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main), Alexandra Lechner (Darmstädter Tage der Fotografie), Celina Lunsford (Fotografie Forum Frankfurt) und Matthias Wagner K (Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main). Ausstellungsorte sind u. a. der Frankfurter Kunstverein, das Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt am Main und Nassauischer Kunstverein Wiesbaden.

Mit der TRIENNALE DER PHOTOGRAPHIE wird Hamburg 2018 zum siebten Mal zum Mekka für die Anhänger der Fotografie und der Fotokunst in Deutschland. Das Thema der jetzigen Triennale lautet „Breaking Point. Searching for a Change“. Der künstlerische Leiter Kristof Candrowicz „nimmt sich damit der Problematik einer sich permanent wandelnden Gesellschaft an. Im Rahmen der Triennale der Photographie zeigen verschiedene Museen Hamburgs individuelle Ausstellungen, die alle auf der Suche nach »Breaking Points« die Fotografie als künstlerisches Medium feiern.“ Im Zentrum steht in den Deichtorhallen die Ausstellung „STREET. LIFE. PHOTOGRAPHY VON ARBUS BIS ZURBORN. STREET PHOTOGRAPHY A US SIEBEN JAHRZEHNTEN“ mit rund 350 Arbeiten. (08.06. – 07.10.2018). „Die Ausstellung ist in sieben thematische Gruppen gegliedert: Street Life, Crashes, Public Transfer, Urban Space, Lines and Signs, Anonymity und Alienation. Die Stadt und das Straßenleben geben so den Blick frei auf die unterschiedlichsten Inszenierungsmöglichkeiten, die die Beobachtung des öffentlichen Raums früher und heute ermöglicht.“

Vom 14.07. bis zum 28.10.2018 nehmen ca. 40 Künstler aus 22 Ländern an der Liverpool Biennal teil. Das Motto „Beautiful world, where are you?“ ist einem Gedicht von Friedrich Schiller aus dem Jahre 1788 entlehnt, das Franz Schubert 1819 vertont hat. Aus Sicht der Biennale-Macher decken das Gedicht und seine Liedform einen Zeitraum ab, der durch die Französische Revolution und durch die Ära Napoleons I. geprägt wurde. Die Biennale wird an öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Gebäuden ausgerichtet, ebenso in Galerien und Museen.

Messen

Mit ca. 290 Teilnehmern ist die Art Basel (14. – 17.06.2018) weltweit eine der größten Kunstmessen und von ihrem Renommee her globaler Marktführer: 95.000 Besucher drängelten sich im vergangenen Jahr zwischen den Kojen. Im Hauptsektor „Galleries” sind etwa 230 etablierte Aussteller vertreten. In der Abteilung Statements” findet man ca. 20 junge Galerien mit aufstrebenden Künstlern und unter „Unlimited” großformatige Werke. Sektoren für kuratorische Projekte und für den Außenraum („Parcours”) ergänzen das Messeprofil. Mit ihrem Gründungsdatum ist 1996 ist die Liste Basel eine der ältesten Nebenmessen der Basler Messewoche im Juni. Sie wird vom 12. bis zum 17.06.2017 mit einem Teilnehmerfeld von rund 80 Galerien am Burgweg 15 ausgerichtet. Ebenfalls schon recht lange, nämlich seit 2005 wird die Volta Show als Messe für „neue Positionen” abgehalten. Die RHY ART hat ihr Programm vom 14. – 17.06.2018 auf Werke von Newcomern sowie etablierten Künstlern: Bilder, Skulpturen, künstlerische Fotografie, limitierte Drucke, digitale Kunst und Objektkunst ausgerichtet. Sie findet im Saalbau Rhypark am Rhein (Mülhauserstrasse 17) statt. Die Photo Basel widmet sich – wie ja ihr Name ankündigt – ausschließlich der Fotografie. Etwa 40 Aussteller bieten im Volkshaus Basel Fotokunst von „klassischen Großmeistern” und von aufstrebenden Fotografen an.

Vom 1. bis zum 3. Juni 2018 präsentiert sich die C.A.R. – Contemporary Art Ruhr Essen optisch „mit einem offenen und puristischen Erscheinungsbild“ und konzeptuell „mit gleichen Einstiegsmöglichkeiten für die Teilnehmer“. Sie versteht sich als „Entdeckermesse“; Veranstaltungsort ist das Welterbe Zollverein. Dieser Termin ist für Medienkunst und Fotografie reserviert. Im Herbst findet dann vom 26. – 28.10.2018 noch eine zweite C.A.R. als „innovative Kunstmesse“ mit Werken aus anderen künstlerischen Disziplinen statt.

An der Art Bodensee Dornbirn (13. – 15.07.2018) nehmen auch in diesem Jahr wieder etwa 60 Galerien teil. Im vergangenen Jahr kamen 6.100 Besucher. Eine Befragung von ihnen führte zu dem Resultat, dass 95 Prozent die Messe weiterempfehlen und 85 Prozent in diesem Jahr wiederkommen wollen”. 42 Prozent der Eintrittskarten wurden an Gäste aus Deutschland verkauft, 38 Prozent an Kunstfreunde aus Österreich, 20 Prozent an Schweizer und Liechtensteiner. Mit dem Sommer-Termin ist diese Kunstmesse eng an die Tourismusindustrie der Bodensee angebunden, und das erklärt, weshalb man hier eben generell nicht so sehr auf das Angebot von millionenteurer Kunst setzt, sondern auf niedrigere Preissegmente.

Galerien

Heiner Friedrich, Galerist und Museumsgründer, feierte seinen 80. Geburtstag. Zusammen mit seiner ersten Frau, der Galeristin Six Friedrich, und Franz Dahlem eröffnete er 1963 in München eine Galerie. Dahlem schied zwar 1966 aus der gemeinsamen Galerie aus, aber Heiner Friedrich und er arbeiteten weiterhin zusammen und vermittelten dem Sammler Karl Ströher den Ankauf der US-Sammlung Kraushaar mit 160 Werken der Pop Art. Friedrich ging Anfang der 1970er Jahre nach New York, wo er zusammen mit der Kunsthistorikerin Helen Winkler und seiner späteren Frau Philippa de Menil die Dia Art Foundation, die eine Sammlung aufbaute und große Land Art-Projekte z.B. von Walter de Maria förderte, die wegen ihrer Dimension im Kunsthandel nicht zu vermarkten waren. Aus Anlass des 80. Geburtstags veröffentlichte der Schirmer Mosel Verlag die Publikation Ich will nichts über mich sagen. Es geht um die Kunst – Heiner Friedrich im Gespräch mit Corinna Thierolf. Weil er 2011 auf dem auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik seiner Eltern in Traunreut ein Tageslichtmuseum „DasMaximum“ gegründet hatte und dort auf ca. 4.300 qm Stücke aus seiner Sammlung öffentlich zugänglich macht, hat die Stadt Traunreut ihm soeben den städtischen Kulturpreis verliehen.

Die Galerie Nagel Draxler hat in Köln neue Räume in der Elisenstraße 4–6 bezogen. Als erste Ausstellung zeigte sie dort Not yet no Longer / Speaking to the void, in spite of / Prefigured monumental ruin, eine Ausstellung des New Yorker Künstlers Egan Frantz. In seiner dritten Einzelausstellung mit der Galerie Nagel Draxler zeigt Frantz eine neue Serie nahezu monochromer, laserbeschrifteter Leinwände. Die Galerie Nagel Draxler (ehemals Galerie Christian Nagel) wurde 1990 in Köln gegründet und verfügt über Standorte in Köln und Berlin.

Jahrelang galt in Deutschland für den Handel mit Kunstwerken ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz in Höhe von 7 Prozent, bis die EU-Kommission mit einer Richtlinie die Bundesregierung zwang, diese Regelung durch eine „Pauschalmargenbesteuerung“ in Höhe von 30 Prozent zu ersetzen. Der Galeristenverband BVDG beklagte dies als „Desaster“ und hofft nun, die neue Große Koalition werde zur „Mehrwertsteuerermäßigung… als indirekte Form der Kulturförderung zurückfinden“. Jedenfalls heißt es im Koalitionsvertrag von Union und SPD: „Wir setzen uns auch auf europäischer Ebene für die Anwendung des rmäßigten Mehrwertsteuersatzes bei gewerblich gehandelten Kunstgegenständen, E-Books, E-Papers und anderen elektronischen Informationsmedien ein…“

Die Deutsch-Finnische Handelskammer führt zusammen mit dem BVDG-Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler vom 27. bis zum 30. Juni 2018 eine Markterkundungsreise nach Finnland durch. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Finnlands steigt jährlich um ca. 1 – 2 Prozent an und bietet somit gute Rahmenbedingungen auch für den dortigen Kunsthandel. Nach Angaben der Expertenorganisation Frame Contemporary Art Finland und dem finnischen Museumsamt hatten verschiedene Kunstausstellungen in Finnland 2016 rund 3,8 Mio. Besucher. „Davon entfielen ca. 2,2 Mio. Besucher auf Kunstmuseen, 1,3 Mio. Besucher auf Galerien und 326.000 Besucher auf diverse Kunstveranstaltungen. In Finnland gibt es 116 Galerien mit über 1.200 Ausstellungen im Jahr. Knapp 10,3 Millionen Euro wurden 2016 zu 90% von Privatgalerien umgesetzt, ein Drittel davon erwirtschafteten dabei internationale Verkäufe…“ Daher dient die Markterkundungsreise der Anbahnung neuer Geschäftskontakte und der Vertiefung bereits bestehender Beziehungen zu Museen und Sammlern.

Personalien

Max Hollein wird im Sommer 2018 Direktor des Metropolitan Museums in New York. Zuletzt war er seit 2016 Leiter der Fine Arts Museen in San Francisco. Davor hatte er seit 2006 in Frankfurt als Direktor des Städel Museums und der Liebig Skulpturensammlung wichtige Akzente gesetzt. In seiner Frankfurter Amtszeit wurde das Städel Museum gründlich saniert und erweitert. Dass er es schaffte, zusammen mit der Stadt Frankfurt, dem Land Hessen sowie diversen Stiftungen und Firmen eine Kampagne durch zu führen, um die Baukosten in Höhe von 52 Mill. Euro zur Hälfte durch private Zuwendungen zu finanzieren, wird für Hollein in New York eine wichtige Erfahrung sein: denn beim Metropolitain Museum muss er mithelfen, das Millionendefizit abzubauen, das ihm sein Vorgänger Thomas Campbell hinterlassen hat. Auch in San Francisco gelang es Hollein, der neben Kunstgeschichte auch Betriebswirtschaft studierte, ein Defizit im Budget abzubauen.

Sabine Schormann, Kulturmanagerin, wechselt im Herbst 2018 von Hannover nach Kassel und tritt dann den Posten als Generaldirektorin der Documenta an. In Hannover war sie bis jetzt Direktorin der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung. Der derzeitige Interimsgeschäftsführer, der Musikmanager Wolfgang Orthmayr, soll „in enger Abstimmung“ mit Schormann bis zum Herbst im Amt bleiben. Wie der Documenta-Aufsichtsratschef und Kasseler Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) mitteilte, hatte es rund 50 Kandidaten für den Geschäftsführerposten gegeben. Die nächste Documenta findet im Sommer 2022 statt. Als nächste Maßnahme steht die Berufung eines künstlerischen Leiters auf der Tagesordnung. Dabei folgt der Aufsichtsrat in der Regel den Vorschlägen einer Findungskommission aus Fachleuten des Kunstbetriebs. „Mit hochgezogenen Augenbrauen“, so das Magazin „lokalo 24.de-ExtraTip“, wurde unterdessen „die Information aufgenommen“, dass die beiden Vertreter der Bundeskulturstiftung, Alexander Farenholtz und Hortensia Völckers, aus dem Documenta-Aufsichtsrat ausscheiden. Die Bundeskulturstiftung hatte die letzte Documenta mit 4,5 Mill. Euro unterstützt. 2017 schloss die Veranstaltung mit einem Defizit ab, und dieses dürfte womöglich noch höher ausgefallen sein als die bisher kommunizierten 5,4 Mill. Euro, wie der OB dem Kassel-Beirat signalisierte, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen.

Chris Dercon ist als Intendant der Berliner Volksbühne zurückgetreten. Der belgische Kurator und Theaterwissenschaftler war von 2002 bis 2011 Direktor des Haus der Kunst in München und von 2011 bis 2016 Leiter der Tate Gallery Modern Art in London, bevor er 2017 in Berlin als Nachfolger von Frank Castorf die Intendanz der Volksbühne übernahm. Von Anfang feindeten viele Protagonisten im Berliner Kulturbetrieb Dercon an und verdächtigten ihn, einen Systemwechsel vollziehen zu wollen, zu Lasten des tradierten Sprechttheaters und zu Lasten des Repertoire- und Ensembletheaters. Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke) betonte in einer offiziellen Erklärung, die persönlichen Schmähungen gegen Chris Dercon „aus Teilen der Stadt“ seien „inakzeptabel“ gewesen; solche Formen der Auseinandersetzung seien „unwürdig und entbehren jeder Kultur“. Allerdings werfen Kritiker auch Lederer vor, bei seinem Amtsantritt als Kultursenator nicht unbedingt ein Dercon-Fan gewesen zu seien. Der designierte Volksbühnen-Geschäftsführer Klaus Dörr betreut „bis auf weiteres“ kommissarisch den Aufgabenbereich des Intendanten.

Per Kirkeby, dänischer Maler und Bildhauer ist am 09.05.2018 in seinem 79. Lebensjahr verstorben. Bekannt wurde er durch seine Skulpturen aus Backstein, mit denen er seit Ende der 1960er Jahre an die Kunstöffentlichkeit trat. In den 1970er Jahren wandte er sich dann der informellen Malerei zu. Promoviert hatte Kirkeby in Geologie. Zu Beginn seiner Laufbahn arbeitete er eng mit Fluxus-Künstlern wie Joseph Beuys und Nam June Paik zusammen, später auch mit Jörg Immendorff. 1976 und 1980 war Kirkeby auf der Biennale von Venedig vertreten; 1982 und 1992 auch auf der Kasseler Documenta. Ab 1978 war er Professor an der Kunstakademie Karlsruhe und von 1989 bis 2000 an der Frankfurter Städelschule. Die Kunsthalle Krems widmet dem Künstler im Herbst eine umfassende Ausstellung.

Marcia Hafif starb im Alter von 89 Jahren. Seit den 1970er Jahren schuf Hafif in New York ein kompromissloses malerisches Werk, das weltweit in zahlreichen Ausstellungen präsentiert wurde und Einzug in bedeutende Sammlungen gefunden hat. Ihre Einsicht, dass die gegenständliche Malerei ihr Innovationspotential verwirkt habe, führte Hafif zu einer analytischen Befragung malerischer Techniken und Ausdrucksformen.“ Sie gehörte zu den Initiatoren der Künstlergruppe „Radical Painting“. Am 17.07.2018 wird eine Ausstellung mit ihren Werken im Münchener Lenbachhaus eröffnet.

Nikola Dietrich übernimmt am 1. Juli 2018 vom ihrem Vorgänger Moritz Wesseler die Leitung des Kölnischen Kunstvereins. Wesseler hatte den Verein seit 2013 fünf Jahre lang geleitet. Dietrich war Kuratorin am Portikus in Frankfurt a. M. und leitete anschließend für sechs Jahre das Museum für Gegenwartskunst in Basel. Zurzeit lebt und arbeitet Dietrich als freischaffende Kuratorin in Berlin.

Merle Radtke übernimmt am 1. Juli 2018 die Leitung der Kunsthalle Münster. Seit 2015 arbeitet sie freiberuflich als Kuratorin, u. a. für die Hamburger Kunsthalle, die Jürgen Becker Galerie und das Kunstmuseum Stuttgart. Radtke promoviert an der Hamburger Kunstakademie über „Elastizität des Bildes und Prinzipien der Kombinatorik in der post-digitalen Kunst“.

Ulrichs Raulff wurde vom Präsidium des ifa-Instituts für Auslandsbeziehungen einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Raulff leitete bisher das Deutsche Literaturarchiv in Marbach und folgt als ifa-Präsident auf Martin Roth, der im vergangenen Jahr verstarb. Das ifa ist für den auswärtigen Kulturaustausch und für die auswärtige Kulturpolitik zuständig und wurde mitten im Ersten Weltkrieg als Instrument einer verbesserten Völkerverständigung gegründet.

Preise

Marina Abramović nahm im Kunsthistorischen Museum Wien den GLOBART AWARD entgegen. Zur Begründung für die Ehrung heißt es: „Mit ihren Performances berührt und erschüttert sie. Sie setzt sich mit Schmerz, Verlust, Ausdauer und Vertrauen auseinander. Der Umgang mit dem eigenen Körper lassen ihr Werk so eindrücklich werden. Sie sprengt nicht nur die Grenzen der Kunst, sondern fesselt mit ihrer Suche nach Wahrheit. Millionen von Menschen berührte sie mit der Kraft ihres Schweigens. Ihre aus 40jähriger Erfahrung entwickelte Abramović Method der Konzentration und Mobilisierung zielt auf die Erreichung einer größtmöglichen Toleranz und Offenheit im Dialog …“
„GLOBART“ ist ein „offener Denkraum“ in Wien. Mit dem GLOBART AWARD sollen Menschen ermutigt werden, „authentisch ihren Weg zu gehen“.
Für die Verleihungszeremonie kooperierten die Veranstalter eng mit der Wiener Galerie Ursula Krinzinger, die derzeit bis zum 9. Juni 2018 eine Ausstellung mit Marina Abramović zeigt.

Mai-Thu Perret empfing im Kunstmuseum Bern den Paul Boesch Kunstpreis (50.000 Franken). Mit der Auszeichnung ist neben dem Preisgeld auch der Ankauf einer Dauerleihgabe für das Museum verbunden, weshalb der Preis der Paul Boesch-Stiftung zu den höchstdotierten Ehrungen in der Schweiz gehört. Über die Preisträgerin heißt es, sie „nehme in ihrem innovativen Werk, das sich durch eine enorme technische und inhaltliche Ausdrucksbreite auszeichne, zu existenziellen Fragen unserer Gegenwart Stellung“.

Jerry Saltz, Kunstkritiker des „New York Magazine“, wird für sein „besonnenes Werk“ mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet (15.000 Dollar). Den 1917 von dem Zeitungsverleger Joseph Pulitzer gestifteten Preis verwaltet heute die Columbia University in New York. Sie verleiht ihn in 21 Kategorien. Zu den wichtigsten Veröffentlichungen von Jerry Saltz zählt der Text „My Life as a failed artist“, in dem er beschreibt, wie ihn sein Scheitern als Künstler lehrte, ein guter Kritiker zu werden.

Luke Willis Thompson, Charlotte Prodger und Naeem Mohaiemen sowie das Kollektiv Forensic Architecture wurden als Finalisten für den britischen Turner Prize nominiert. Bei Mohaienem und Forensic Architecture war ua. Deren Auftritt auf der Kasseler Documenta 2017 ausschlaggebend. Alle diesjährigen Kandidaten arbeiten mit Film und Video. Die Ausstellung der Kandidaten findet vom 25. September 2018 bis zum 6. Januar 2019 in der Tate Britain statt.

Olaf Metzel empfing den Jerg- Ratgeb-Preis 2018 der HAP-Grieshaber-Stiftung Reutlingen. Über den Preisträger heißt es in der Begründung der Jury, er sei einer der „bedeutendsten deutschen Bildhauer der Gegenwart“. In seinen Arbeiten, „ob nun für den öffentlichen Raum oder für Ausstellungssituationen entstanden, lege er stets den Finger in die Wunden latenter gesellschaftlicher Konflikte“. Die Ausstellung „Olaf Metzel – Mir ist das schwarze Quadrat lieber als die rote Fahne. Jerg-Ratgeb-Preis 2018“ läuft im Städt. Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen bis zum 8. Juli 2018.

Daniel Libeskind, Architekt, wird mit dem Internationalen Brückepreis der Europastadt Görlitz-Zgorzelec geehrt. Die Auszeichnung wird an Menschen vergeben, die sich um die Völkerverständigung in Europa verdient gemacht haben. U. a. bekamen EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und der ehemalige Boxer und heutige Bürgermeister von Kiew Vitali Klitschko den Preis. Zu Libeskind heißt es, er habe mit seinen Entwürfen zum Jüdischen Museum in Berlin und zum Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden, aber auch mit dem Imperial War Museum in Manchester und seinem Entwurf des Ground Zero in New York Zeichen gesetzt.

Die Kölner Temporary Gallery wurde für den diesjährigen Preis für Kunstvereine der ADKV -Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine und der Kunstmesse Art Cologne ausgewählt. Die Galerie wurde 2009 von Daniel Hug, Christian Nagel und Thomas Rehbein als Mietgalerie gegründet. 2012 änderte die Temporary Gallery unter einer neuen künstlerischen Leitung ihre Ausrichtung und wird als gemeinnütziger Verein seit 2014 auch von der Stadt Köln gefördert.

Annelie Pohlen und Renate Puvogel, beide seit vielen Jahren Autorinnen in „KUNSTFORUM international“, werden für ihr kulturelles Engagement als Kunstkritikerin mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet. Die Überreichung der Auszeichnung am 10. Juli 2018 im Museum Abteiberg in Mönchengladbach. Der LVR-Landschaftsverband Rheinland nimmt diese Ehrung seit 1976 vor mit der Verleihung einer Medaille, die der Bildhauer Werner Reuter schuf. Damit werden Personen bedacht, die sich „in besonderer Weise anregend oder fördernd um die kulturelle Entwicklung und Bedeutung des Rheinlandes verdient gemacht haben“.

Francesco Neri empfing den August Sander-Preis der Kölner Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur. Gestiftet wurde der Preis von Ulla Bartenbach und Prof. Dr. Kurt Bartenbach. Neri ist Mitglied und Tutor des Photographic Visiting School-Programm der AA School of Architecture in London und Professor für Photographie am Institut für Graphic Design in Faenza. Er arbeitet seit über zehn Jahren an diversen fotografischen Langzeitprojekten, u. a. im Bereich Porträt. Dabei fühlt er sich der analogen fotografischen Tradition mit Großbildkameras verpflichtet.

Lisa Augustin erhielt das Max Ernst-Stipendium der Stadt Brühl (10.000 Euro). Zuzüglich zum Preisgeld kaufte die Stadt Brühl ein Bild von ihr an. Augustin studiert derzeit an der Münchener Kunstakademie bei Markus Oehlen.

Radek Krolczyk, Bremer Kunstkritiker, wurde mit dem Preis für Kunstkritik 2018 ausgezeichnet (3.000 Euro). Den Preis verleiht die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Kunstvereine (ADKV) in Kooperation mit der ART COLOGNE an freiberufliche Journalisten. Über Krolczyk heißt es, er habe stets seine Distanz zu den Zentren des Kunstbetriebs bewahrt hat und die Binnenperspektive des Kunstbetriebs immer wieder durchbricht.

Ausschreibungen

Bis zum 30. Juni 2918 sind Einreichungen für die VIDEONALE.17 – Festival für Video und zeitbasierte Kunstformen zum Thema „Refracted Realities (Gebrochene Wirklichkeiten)“ möglich. Die Videonale findet vom 21. Februar bis 18. April 2019 im Kunstmuseum Bonn statt. Die Arbeiten werden in der Ausstellung als Einzelpräsentationen gezeigt. Unter allen für die Ausstellung ausgewählten Arbeiten wird der mit 5.000 Euro dotierte Videonale Preis der fluentum collection vergeben.

Am 30. Juni 2018 endet die Antragsfrist für eine Projektförderung bei der Kunststiftung NRW für Projekte im Jahr 2019. Nächste Deadlines sind der 30. November 2018 ebenfalls für 2019 und der 30. Juni 2019 für Projekte im Jahr 2020. Einzureichen ist jeweils ein formloses Anschreiben mit Projektskizze und Nennung der erwünschten Förderhöhe mit Kosten- und Finanzierungsplan, in dem auch dargelegt wird, bei wem weitere Mittel beantragt wurden und ob bereits Zusagen vorliegen“.

Die 21. Internationale Dresdner Sommerakademie für Bildende Kunst wird vom 22. Juli bis zum 4. August 2018 ausgerichtet. Angeboten werden Kurse in Malerei, Fotografie, Video, Pastellzeichnung, Kohlezeichnung, Kaltnadelradierung etc. Junge Künstler können sich um ein Stipendium bewerben und an einem Kurs ihrer Wahl teilnehmen. In der zweiten Woche können sie anschließend mit anderen Stipendiaten weiterarbeiten und in einer gemeinsamen Ausstellung ihre Werke präsentieren. Deadline ist der 17. Juni 2018. www.sommerakademie-dresden.de

Das Künstlerdorf Schöppingen in Westfalen vergibt im Bereich Bildende Kunst/Neue Medien/Mixed Media jährlich etwa 10 Stipendien ohne Altersbegrenzung, aber mit Residenzpflicht für eine Dauer zwischen 2-6 Monaten. Das nächste Bewerbungsverfahren beginnt am 15. Juli und endet am 15. September 2018. www.kuenstlerdorf-online.de