Ausstellungen: Basel/Zürich/Düsseldorf · von Stephan Berg · S. 314
Ausstellungen: Basel/Zürich/Düsseldorf , 1991

Stephan Berg

Nam June Paik

»Video Time – Video Space«

Kunsthalle Basel, 15.8. – 27.10.1991

Kunsthaus Zürich, 16.8. – 6.10.1991

Kunsthalle Düsseldorf, 30.11.1991 – 12.1.1992

Wir schreiben den 11. März 1963. In der Wuppertaler Galerie Parnass, dem Privathaus des Architektenehepaares Jährling, zeigt der damals 30jährige Nam June Paik seine erste große Einzelausstellung. „Exposition of Music – Electronic Television“ versammelt in den 16 Räumen des Hauses eine Vielzahl präparierter zur Benutzung freigegebener Klaviere, verfremdete und manipulierte Fernsehgeräte, eine rüde zerbrochene Schaufensterpuppe in einer mit Wasser gefüllten Badewanne, „Schallplattenschaschlik“ und, sozusagen als Einführung, den Kopf eines frisch geschlachteten Ochsen über dem Eingang.

Damals erschien dieser klug kalkulierte neodadaistische Auftritt des jungen Koreaners als skandalumwitterte Sensation, ein „kulturterroristisches“ Happening, über das sich trefflich streiten ließ. Aus der Sicht des abgebrühten und mit Kunst-Schocks bis zum Überdruß gesättigten Heute schaut man fast mit etwas nostalgischer Wehmut auf diese Aktion zurück: Ach, waren das Zeiten, als sich mit solch schlichten Mitteln noch so produktiv provozieren ließ.

Von den Klavierobjekten dieser legendären Ausstellung ist nur ein einziges , das 1958 bis 1963 entstandene „Klavier Integral“ erhalten geblieben, und zu sehen ist es nun in der Basler Kunsthalle, die zusammen mit dem Kunsthaus Zürich unter dem Titel „Video Time – Video Space“ die erste umfassende Übersicht über das Werk des mittlerweile 59jährigen Künstlers in der Schweiz organisiert hat. Deutlich macht dieses Relikt vor allem eines: daß auch die Manifestationen der doch eigentlich immer auf ständige Veränderung und Verflüssigung drängenden Fluxus-Bewegung, zu deren zentralen Exponenten Paik gerechnet werden muß, nicht vor musealer Erstarrung sicher sind. 1976,…

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