Ausstellungen: Hamburg · von Hajo Schiff · S. 338
Ausstellungen: Hamburg , 2001

Hajo Schiff

Neue Kunst in Hamburg 2001

»Wenn reisende Künstler zu Vermittlern werden«

Eine Ausstellung des privaten Fördervereins »Neue Kunst in Hamburg«

Mitten im rauschenden Feierabendverkehr der Megametropole São Paulo sitzt eine junge Frau lesend auf einem blühenden Jacaranda-Baum. Dieses unkommentierte, skurril-poetische Video begrüßt die Besucher im Hamburger Kunsthaus bei der Ausstellung „Neue Kunst in Hamburg 2001“. Fast schon emblematisch zeigt die wandfüllende Projektion der brasilianischen Künstlerin Brígida Baltar, dass die Kunst heute an ungewohnten Orten gesucht werden muss. Denn seine Kunstförderung hat der 1986 gegründete private Förderverein „Neue Kunst in Hamburg“ seit 1996 darauf spezialisiert, Reisestipendien zu vergeben.

Die Idee ist gut: Künstler werden in das Land ihrer Sehnsucht geschickt und können dort fünf Monate arbeiten. Damit sie auch mit der dortigen Kunstszene in Kontakt kommen, müssen sie Kollegen aus ihrem Gastland zur gemeinsamen Ausstellung nach Hamburg mitbringen. So fördert man die Vernetzung der Kunstwelt, macht die regionalen Künstler zu Talent-Scouts und trägt der zunehmenden Doppelrolle von Künstlern als Produzenten und Mediatoren in unterschiedlichen sozialen Feldern Rechnung. Diesmal waren die Traumziele der fünf wesentlich in Hamburg lebenden Künstlerinnen und Künstler Brasilien, Tokio, Schottland, Island und die arktische Inselgruppe Svalbard, besser bekannt unter ihrem holländisch-deutschen Namen Spitsbergen. Dass die nach diesen Reisen erstellte und von Karola Grässlin kuratierte Ausstellung dann notgedrungen etwas zusammengewürfelt wirkt, kann für die Güte der Idee in Kauf genommen werden.

Am aufwendigsten organisierte Anna Gudjonsdottir den Austausch. Sie zog es in das Land ihrer Kindheit. In Island und in der Umgebung von Longyearbyen auf Spitsbergen ging sie dem Mythos der Nordlandfahrt nach,…

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