Gespräche mit Kunstvermittlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 420
Gespräche mit Kunstvermittlern , 1994

»Ob in Spanien, Mexiko oder Frankreich, stets tritt Bunuel in einen ernsten Dialog mit Priestern«

Heinz-Norbert Jocks sprach mit Yasha David, über sein Ausstellungsprojekt

»?Bunuel! Auge des Jahrhunderts«

Yasha David, 1940 in Prag geboren, arbeitet seit 1982 am Pariser Centre Pompidou als Programmgestalter. Bekannt wurde er mit Ausstellungen über „Éluard und seine Malerfreunde“ und „Das Jahrhundert Kafkas“. Nun richtete er als Gastkurator für die Bundeskunsthalle in Bonn die Ausstellung „¿Buñuel! Auge des Jahrhunderts“ ein. Wie der Titel verrät, handelt es sich um eine Erinnerung an den berühmten Filmregisseur (1900 bis 1983), aber zugleich geht es, wie der Zusatztitel andeutet, um weit mehr. Anhand von Gemälden, Grafiken und Zeichnungen, Fotos, Kostümen und Dokumenten springt die Ausstellung mitten in das Kunstleben unseres Jahrhunderts. Große Szenenfotos, als Leuchtkästen übereinandermontiert, erinnern an Filmstreifen, die unser Jahrhundert prägten. Buñuel hat da seinen Auftritt als Experte für Begierde, Seh- und Todestrieb. Die Geschichte der Motive wird von Yasha David in eine Systematik getrieben, lesbar als Kritik wie als Archäologie mit Erlebnisgewinn.

*

H.-N. J.: Woher kommt Ihr Interesse am Surrealismus?

Y. D.: Die Ausstellung über Buñuel ist eine Auftragsarbeit, also kein eigenes Projekt, sondern angeregt von der Familie und nahestehenden Freunden um Buñuel. Es ging weder um Buñuel noch um den Surrealismus, vielmehr war der Wunsch nach einer professionellen Ausstellung da. Ich hatte nie daran gedacht, etwas über Buñuel zu machen, obgleich mir seine Mutter nahestand. Die Filme zu zeigen, steht im Vordergrund, während die Ausstellung so etwas wie ein Zusatz ist. Ich fing an, mich intensiv mit Buñuel zu befassen, nicht…

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