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Monografie · von Jürgen Raap · S. 135 - 153
Monografie , 1988

Blalla W. Hallmann
Olympiade der Grausamkeiten

Von Jürgen Raap

“Die Geister meiner Kindheit” (1987) toben ausgelassen und hämisch über den Giebeldächern der eng gedrängten Häuser, bedrohen unsere Gefühle wohliger Geborgenheit. Wir haben keinerlei Veranlassung mehr, uns in trügerischer Sicherheit zu wiegen, denn es herrscht “Unruhe an der Grenze” (1988), die unsere Welt schützend einzäunt.

Das Bild vond der Welt, die sich im schopenhauerschen Sinne als gestaltender “Wille” und als “Vorstellung” konstituiert, ist brüchig geworden. Blalla W Hallmanns Arbeiten verheißen keinerlei Ausweg zurück in die Idylle mittels der Kunst der Illusionen; Er spürt vielmehr diesen Rissen nach und reklamiert nur ein einziges Postulat: Freiheit – im künstlerischen wie im allgemeinen Sinne – ist nur durch hemmungslose Verletzung der Tabus zu erreichen,die zu inneren wie äußeren Zwängen geworden sind. Seine sarkastischen Attacken gegen die “Ex Cathedra ” verkündeten dogmen der Religion und gegen die bürgerliche Sexmoral ist nicht blasphemisch, sondern emanzipatorisch gemeint. Er zeigt Wirklichkeit, die wir sonst gerne unter dem Ladentisch verbergen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Babylonischer Zerfall

Das Gipfeltreffen der Hegemonialfürsten aus Moskau und Washington ist nichts weiter als eine harmlose Parade russischer Bären und amerikanischer Micky-Mäuse vor der Kulisse des Brühler “Schloß Augustusburg” (1982), denn was sich tatsächlich an Änderungen abspielt, ist unserem Willen und unserer Vorstellung entglitten. Die “Abrechnung bei der Schlacht am Hermaggedod” (1982) steht uns noch bevor, bis die “Schmarotzer, Piefkes, Fatzkes und Nepper” am Galgen erhängt werden und die geschundenen Neger sich von ihren Fleischerhaken befreien.

Doch es geht Hallmann nicht in erster Linie um die Untauglichkeit…


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