Ausstellungen: Brüssel , 2000

Claudia Herstatt

Oper. Sprache der Leidenschaft

La Monnaie/De Munt, Brüssel, 16.1. – 2.7.2000

Es ist ein Glücksfall, dass die Brüsseler Oper La Monnaie/De Munt anlässlich ihres 300. Jubiläums und zur Inbetriebnahme ihrer nagelneu renovierten 25 000 Quadratmeter großen Werkstätten einen Inszenator der bildenden Kunst berief. Laurent Busine, Direktor des immer etwas zu Unrecht übersehenen Palais des Beaux-Arts in Charleroi, hat in den Opernhaus-Ateliers Belcato und schönen Kulissenschein, Archivalien und Werke von James Lee Byars, Luciano Fabro, Thomas Ruff, Fischli/Weiss, Michel François und anderen sozusagen mit dem Blick von außen in einen vielstimmigen künstlerisch-theatralischen Ein-Klang gebracht.

Busine, mit so erlesenen Ausstellungen wie „L’exotisme au quotidien“, „L’oeil musicien“, einer großen Einzelschau des französischen Mythenmalers Gérard Garouste, sowie einer Präsentationen in Bordeaux zum Thema Gedächtnis auf der Basis persönlicher Erinnerungen hervorgetreten, erbat sich freie Hand für die erste große Schau zum Auftakt einer von neun Kulturstädten Europas im Jahr 2000. Das bloße Arrangieren von Archivmaterialien zum Opernjubiläum wäre ihm zu wenig gewesen – auch wenn diese auch zur Schau gehörigen Dokumente besonders schön und intim ausgeleuchtet in maßgeschneiderten Glasvitrinen wie kostbare Preziosen erblühen.

„Oper. Sprache der Leidenschaft“, im Original und viel poetischer „Opera. Un chant d’Etoiles“, begreift das Zauberische einer Inszenierung im Zusammenwirken aller Kräfte bis sich der Vorhang hebt. Und so hat Busine in und mit den Kulissen eine faszinierende Wunderkammer ins Halbdunkle aufgebaut, die ihrerseits eine Bühne im übertragenen Sinne ist.

Der Auftakt ist ein in die Jahre gekommenes mit handschriftlichen Nummern versehenes Garderobenbord, wo Cherubim seine Flügel abgegeben hat. Tritt man dem effektvoll angeleuchteten Arrangement näher,…

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von Claudia Herstatt

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